Hirnforschung

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Inhalt:
1. Neun Thesen
- Materielle Ursachen
- Matrielle Energie
- Wiederholbarkeit
- Manifest
- Agnostik
- Spiegelneuronen
- Reduktionismus
- Libet-Experiment
- Neurotheologie
2. Singer-Thesen
- Seele
3. Skeptiker, GWUP
4. Literatur

Die Hauptrichtung der modernen Hirnforschung und der Naturwissenschaft vertritt heute ein materialistisches Welt- und Menschenbild, den sogenannten Monismus: Alles ist Materie, eine immaterielle Seele gibt es nicht. Dieser Materialismus wird im Folgenden in seinen typischen Thesen vorgestellt und vom Standpunkt des Dualismus (wir haben eine immaterielle Seele) kommentiert und kritisiert. Argumente für die Dualität des Menschen mit materiellem Leib und immaterieller Seele finden sich im Kapitel "Ganzfeldforschung" und in vielen anderen Kapiteln dieser Webseite (s. "Startseite").

1. Neun Thesen

These 2-1:Alles hat eine materielle Ursache, und die erste Ursache von allem ist der Urknall.

2-1-1: Spätestens seit Gödels Entdeckung 1931, dass mit All-Aussagen („Alles hat ...“) in Logik und Mathematik grundsätzliche Widersprüche verbunden sind, sollte man mit All-Aussagen sehr vorsichtig sein und ihnen keinen Wahrheitsgehalt mehr zumessen. Der kleinste Gegenbeweis falsifiziert sie. In diesem Sinn sagte auch Heisenberg(?) den noch heute gültigen Satz: „Die Tatsache, dass Laborexperimente jedesmal gleich ablaufen beweist noch lange nicht, dass es immer und überall so ist.“.

2-1-2: „Materielle Ursache“ meint die bekannten physikalisch-chemischen Vorgänge der Makrophysik, in der Teilchen durch vorwiegend elektromagnetische Kräfte wechselwirken. Diese Vorstellung ist unserem aus Alltagserfahrungen geprägten Hirn angemessen und deshalb weit verbreitet. Verallgemeinerte Alltagserfahrungen sind keine zwingenden Argumente sondern anthropische Prinzipien, d.h. These 2-1 projiziert unsere Alltagserfahrung in die Natur und vermenschlicht sie.

2-1-3: Durch die kosmische Dunkle Materie erfuhr „die Materie“ in der Astronomie eine bedeutende Erweiterung durch ein Etwas, das sich bis heute kein Physiker wirklich vorstellen kann und zu dem es auch ansatzweise noch keine Theorie gibt. Die Dunkle Materie wurde eingeführt als notwendige „materielle Ursache“ für die Bildung der Galaxien. Welche Effekte auf der Erde - und ob überhaupt - durch sie verursacht werden könnten, ist noch völlig unerforscht. Tatsache ist: Beobachtungen und Erfahrungen erzwangen eine Erweiterung des Materiebegriffs.

2-1-4: Weitere wesentliche Erweiterungen erfuhr „die Materie“ durch die Quantenphysik. Dass quantisch-akausale Ursachen beim Kopieren der DNS (Mutationen), beim Aufbau von Eiweißmolekülen durch die RNS (Krankheiten) oder bei der Schaltung der Synapsen im Kortex (Exozytose [Lit. 3-5]) eine wesentliche und grundlegende Rolle spielen können und wie dies zu interpretieren ist, ist leider nur wenig bekannt. Es ist eine schwierige Definitionsfrage, inwieweit quantische Effekte wie Teleportation, Information als Wirkursache oder Ausschlussprinzip noch materiell im obigen Sinn sind. In quantischen Effekten wird die Grenze zur Meta-Physik eindeutig überschritten (s. "Quantenphysik" auf der Startseite).

2-1-5: Auch das scheinbar akausale weisse Rauschen zeigt signifikant veränderte Histogramme unter bestimmten Bedingungen (Princeton und russische Forschungen), deren Ursachen keineswegs immer materiell im obigen Sinne von 1. sein können. Der leere Raum birgt weitere verursachende Effekte (Casimir, Turtur), deren Wirkungen im Gesamtgeschehen wir nicht kennen. Fazit: Der Urknall ist nicht unbedingt die ur-Ursache für alles was bis heute geschehen ist.

2-1-6: Die Kausalketten mancher psychischer Phänomene sind eindeutig immateriell (s. "Ganzfeldforschung" auf der Startseite). Dies ist bemerkenswert: Auch eine immateriell-duale Seele unterliegt in ihren Entscheidungen ihren spezifischen Kausalitäten. Welche Wirkungen sie auf das materiell-duale Hirn haben, ist weitgehend eine Frage ihrer Energie bzw. Durchsetzungskraft. Auch das jedoch hat kausale Ursachen und reflektierbare Gründe, die in Zukuft zu erforschen sind.

Der Ausdruck „Gottes Wirken“ deutet auf geglaubte Ursachen nicht materieller Natur. Wer die These 2-1 vertritt, ist entweder Atheist oder Vertreter einer im Grunde inhaltsleeren Psychoreligion.

Wir sollten die These 2-1 als eine offene These verstehen: „alles hat eine Ursache“. Die Eingrenzung auf Materie und physikalisch Messbares ist ideologisch und dogmatisch, jedenfalls unwissenschaftlich und unkantianisch. Ebenso die Eingrenzung auf den Urknall als Anfang von Allem-was-ist.

These 2-2: Hirnprozesse benötigen materielle Energie, deshalb ist alles Geistige materiell.

Auch das ist eine All-Aussage im Sinne 2-1-1. Energie: Ja. „materiell“ jedoch ...

2-2-1: Materiell sind die 4 Energiearten Elektromagnetismus, Gravitation, starke u. schwache Kernkraft. Bereits die zwei letzteren Energiearten waren vor wenigen Jahrzehnten noch vollkommen unbekannt. Sie wurden „erfunden“, um atomare Kernbindungen zu erklären.

2-2-2: Durch die kosmische Dunkle Energie erfuhr die „materielle Energie“ in der Astronomie eine weitere Erweiterung: die Dunkle Energie (s. 2-1-2). Wenn etwas durch den gewohnten Materiebegriff grundsätzlich nicht erklärt werden kann, müssen neue Energiearten hypothetisch angenommen und deren Wechselwirkungen erforscht werden - so wie es die Quanten- und die Astrophysik bereits taten. Gleiches gilt bezüglich der Phänomene von "Ganzfeldforschung" auf der Startseite.

2-2-3: Zweifelsohne birgt der sogenannte „leere Raum“ Energie. Die Entstehung von Materie-Energie aus dem leeren Raum ist quantenphysikalischer Alltag im Casimir-Effekt. Von Prof. Turtur stammt die experimentell und theoretisch untermauerte Theorie, dass das elektrostatische Feld nicht statisch ist, sondern dass die Elektronen fortwährend elektrische Energie aus dem leeren Raum entnehmen und sie in Form ihres nur scheinbar statischen Feldes wieder in den leeren Raum zurücksenden [1,2]. Ähnliches scheint für den Magnetismus zu gelten. Durch Turturs Entdeckung wird aus einer Welt von Kügelchen im leeren Raum ein energiegeladener Raum, dessen Energie sich konzentriert, verbreitet und wieder zurückfließt. Aus einem geschlossenen System wird ein offenes.

2-2-4: Dass der leere Raum auch ganz andere, uns noch unbekannte und unmessbare Energiearten enthalten könnte, ist eine Hypothese, die zwar nicht falsifizierbar ist, die jedoch eine Erklärungsbasis für die "Ganzfeldforschung" und der in "Kritische Argumente" besprochenen medialen Phänomene sein kann. Nach Karl Popper ist diese Hypothese deshalb zumindest „wahrheitsähnlicher“ als die These 2-2 und falsifiziert sie.

2-2-5: Entsprechende Wechselwirkungen immaterieller Energien mit materiellen Teilchen gehören ebenfalls zu dieser Hypothese, sei es über Quantenzufalls- (Exozytosemodell von Eccles, s.u. Lit. 3-5), über Resonanz- (Modelle von Matthaei) oder andere, noch unbekannte Effekte. Z.B. sind über die Masse- und Ladungseigenschaft von Protonen und Elektronen die Wirkungen von Graviation und Elektromagnetismus verbunden. Es ist also keineswegs „undenkbar“ (Singer), sondern nur im Moment noch nicht erforscht, wie diese Teilchen auch mit weiteren Energiearten wechselwirken können, die in den Laborexperimenten von "Ganzfeldforschung" (s. Startseite) zum Tragen kommen und im Menschen auf die neuronalen Netzwerkschwingungen Einfluss nehmen können.

2-2-6: Grundsätzlich können wir sicherlich den Hauptsatz von der Erhaltung der Energie als gültig annehmen. Aber was ist „Energie“? Alle heutigen die Raum-, Vakuum- oder Nullpunktenergie betreffenden Forschungen (z.B. Turtur) erweitern den klassischen Energiebegriff in das weder messbare noch sinnlich erfahrbare Vakuum. Physikalisch ist das kein grundsätzliches Problem, solange es durch Experimente verifiziert ist (s. Ganzfeldforschung).


These 2-3: Nur wiederholbare Experimente liefern gültige Aussagen.

Das ist ein Hauptargument der sogenannten Skeptiker - siehe unten zu „Brights und GWUP“.

2-3-1: Das ist ein Dogma. Es ist weder in der Medizin noch in der Psychologie haltbar. Es gibt Phänomene, die sich experimentell nicht hervorrufen lassen. Dass sich die Mainstreamwissenschaft nicht damit beschäftigen möchte, ist aus vielen Gründen verständlich. Dass man sie bei der Frage nach dem Wesen des Menschen ignoriert oder ausschließt, ist unwissenschaftlich und ideologisch. Siehe auch 2-1-1. Bezüglich der Experimente der "Ganzfeldforschung" ist diese These jedenfalls kein Gegenargument, denn deren Experimente wurden genügend oft mit gleichem Ergebnis wiederholt.


These 2-4: Das Frankfurter Manifest 2004 von 11 Hirnforschern: „Eines Tages wird man widerspruchsfrei Geist, Bewusstsein, Gefühle, Handlungsfreiheit und Willensakte als natürliche Vorgänge ansehen, denn sie beruhen auf biologischen Prozessen.“ Dazu die Theologen der EZW (s. "Theologie" auf der Startseite): „Jede Wahrnehmung eines höheren Selbst, eines göttlichen Lichts oder von Botschaften aus dem Übersinnlichen wird im Gehirn konstruiert und ist kein Beleg für deren Wirklichkeit.“

Das Zitat der EZW zeigt, wie sehr der wissenschaftliche Mainstream-Materialismus das theologische Denken der protestantischen Theologie durchdrungen hat. Die Bereitschaft dafür gründet in der Behauptung von Paulus in 1.Kor. 15,35ff und der darauf fußenden Ganztodtheologie (s. "Theologie" auf der Startseite).
Auch dies sind überzogene, unwissenschaftliche All-Aussagen.

These 2-5: Der Agnostiker Oliver Sacks: "Die Frage von Ursache und Wirkung wird immer offen bleiben. Rufen Hormone die Liebe hervor? Oder bringt die Liebe die Hormone auf Trab?"

Die agnostische Umkehrung ist reizvoll. Eine ernsthafte Hypothese wird sie in Zusammenhang mit den Experimenten von "Ganzfeldforschung". Dualistisch gesehen ist die Wechselwirkung einer immateriellen Liebeskraft und materieller Hormone jedenfalls denkbar.

These 2-6: Mitleid ist nur eine Aktivität der Spiegelneuronen.
Die Basis zukünftiger Ethik sind gut entwickelte Spiegelneuronen. Jesus und St. Martin sind out. Auf einer Tagung meinte ein Neurologe, das könne man in Zukunft besser handhaben mit Drogen („we'll use drugs“).

2-6-1: Die Überschätzung der Spiegelneuronen ist absurd. Für den Neuropsychologen Prof. Lutz Jäncke, Zürich, sind die Spiegelneuronen im Mutter-Kind-Szenario „ein stereotypes Relikt aus der Steinzeit. Es ist genau auf dieses Entwicklungsszenario beschränkt und jede Verallgemeinerung ist unzulässig.“

2-6-2: Gegenfrage: Warum feuerten die Spiegelneuronen der SS nicht bei jüdischen Babies? Die der Hutus nicht bei den Tutsis? Warum erwachte das Mitleid von Frau Gollmann, Gründerin der Andheri-Hilfe, erst Jahre nachdem sie blinde Inder erlebt hatte? Warum spenden Menschen an dieses Hilfswerk, die noch nie einen blinden Inder gesehen haben? Gilt vielleicht gar die agnostische Umkehrung 2-5: Bringt das Mitleid die Spiegelneuronen zur Verstärkung auf Trab?

These 2-7: Das „alles nur“-Denken
der Thesen 2-6 und anderer ist typisch für den leider weit verbreiteten naiven Materialismus oder auch Reduktionismus, wie ihn z.B. auch der Philosoph Schmid-Salomon vehement vertreten hat (und noch vertritt?). Liebe ist nur Hormone, Seele ist nur ein „Tanz der Neuronen“ (F. Crick), Bewusstsein ist nur eine bestimmte Art von Netzschwingungen (Singer), NTE sind nur Tunnel, Licht und Glücksgefühl, Einheitsbewusstsein ist nur Friede, Stille und Objektauflösung, das göttliche Selbst wird nur im Hirn konstruiert (These 2-4), Gedächtnis ist nur Amygdala usw. Die Verallgemeinerung gewisser Hirnfunktionen ins Grundsätzliche wie in 2-4, 2-6, 2-9 ist ideologischer, weltanschaulicher Reduktionismus. Man reduziert ein komplexes Phänomen auf einige gut erklärbare Grundelemente („das ist nur ...“) und verallgemeinert diese Erklärung ins Grundsätzliche, so wie in 2-4, 2-6, 2-9. Wer in diesem reduktionistischen „alles nur“-Denken verhaftet ist, darf die Phänomene von "Ganzfeldforschung" nicht genau anschauen, muss sie ignorieren oder pauschal als ungültig ablehnen, und er muss behaupten, dass alles Weiterführende „undenkbar“ oder „mit großen Problemen behaftet“ sei (s. die unten folgenden Thesen von Wolf Singer).

Das Gegenstück zum Reduktionismus ist die seit Alters her und bis heute beliebte Überhöhung unverständlicher Naturphänomene ins Göttliche. Wenn etwas physikalisch nicht erklärbar ist (wie z.B. die Phänomene der "Ganzfeldforschung"), dann muss dies nicht gleich heilig oder ein Zeichen von Gottes Wirken sein, wie dies z.B. die Vertreter des Intelligent Design oder mancher Sekten annehmen. Auch das Unerklärbare kann man mit Vernunft vergleichen, einordnen und bewerten. Richard Dawkins zeigt selbst an vielen Beispielen, wie sein aggressiv reduktionistisches Denken durch die überhöhenden Behauptungen naiver Gläubiger herausgefordert wird. So haben die Kirchen selbst Schuld daran, wenn sie angegriffen werden.

These 2-8: Benjamin Libet:
Freiwillige drücken in einem Experiment zu frei gewählten Zeitpunkten einen Knopf und schauen dabei auf eine Uhr. Erkenntnis: Bereits 350 mS vor jeder bewussten Entscheidung, den Knopf zu drücken, ist das Hirn aktiv. Erkenntnis: Der scheinbar freie Wille, den Knopf 'jetzt' zu drücken, wird zuvor vom Hirn bereits unbewusst initiiert. Nicht der hirnlos freie Geist aktiviert das Hirn, sondern das Hirn tut, was es will, und die geistige Freiheit bilden wir uns nachträglich nur ein: Der Geist entsteht im Hirn.

Hierzu einige Bemerkungen:

2-8-1: Mit dem Libet-Experiment 1983 begann der neurophysiologische monistische Materialismus: „Kein Geist ohne Hirn“ (G. Roth). Die sogenannte Freiheit des menschlichen Willens wurde früher und wird auch heute noch gerne der automatenhaften tierischen Dumpfheit gegenübergestellt und als Beweis für die Beseeltheit des Menschen verwendet. Von dieser offenbar naiven Vorstellung müssen wir nun endgültig Abschied nehmen. Ob die biologischen, weltorientierten Kräfte unseres Hirns allerdings auch hinreichen, alle Motive und Wünsche zu erklären, das ist auf Grund der Erkenntnisse der Ganzfeldforschung (s. Startseite) und der medialen Phänomene (s. Startseite-"Kritische Argumente") mit guten Gründen zu bezweifeln. Zum Zusammenspiel der immateriellen Seele mit dem materiellen Hirn s. auch Startseite "Was also ist Seele?".

Die spontanen Knopfdruckentscheidungen im Libet-Experiment haben mit dem spezifischen Humanum des freien Willens im Sinne abwägender Entscheidungsprozesse – mit „Gründen“ - und einem freien Wollen nichts zu tun. Es geht nur um völlig folgenlose Knopfdruckentscheidungen. Das Experiment wird also weit überzogen interpretiert. In der heutigen Hirnforschung gibt es allerdings zwischen Gründen und Ursachen keinen grundsätzlichen Unterschied, alle Hirnprozesse sind Gedanken und Gefühle (s. Startseite-"Literatur" 56, Metzinger "Der Ego-Tunnel").

2-8-2:
Der sogenannte harte Dualismus, nachdem Ich als autonome Instanz akausal neue Kausalketten in Gang setze, ist durch Libet klar falsifiziert. Da solche Entscheidungen aber rein zufällig wären, wird der harte Dualismus sowieso schon lange nicht mehr vertreten.

Für immateriell duale, wechselwirkende Seelen ist die Erzeugung neuer - besser: veränderter - Kausalketten im Materiellen weder widersprüchlich noch „undenkbar“ (Singer), denn Kausalität wirkt jeweils in beiden Welten und auch in der Wechselwirkung. Die Diskussion um Freiheit und Verantwortung verläuft im dualen Fall nur geringfügig anders als im monalen Fall.

2-8-2:
Die modernen Hirnforschungen berühren noch nicht die Phänomene der "Ganzfeldforschung". Was wir seit Alters her im religiösen Sinn als Seele kennen, ist etwas Hintergründiges, das mit den Alltagsphänomenen Denken, Emotionalität und Bewusstheit nur ganz am Rande etwas zu tun hat. Vor allem während der Kindheit scheint die Seele relativ großen Einfluss auf das Werden der Gesamtpersönlichkeit zu haben, weil sie auf diese Weise bestimmte Arten von Erfahrungen machen möchte. Es ist also anzunehmen, dass wir auch ohne die hintergründige „Seele“ Mensch sein können. Ein seelenloser Zombie wäre sicher nicht sehr verschieden von uns. Insofern hat Singer recht: Die Hirnforschung braucht die Seele (wahrscheinlich) nicht - sofern sie die Phänomene der "Ganzfeldforschung" ignoriert.

These 2-9: Neurotheologie. Zwei Beispiele: Nach Newberg sind in der Meditation Alpha- und Thetawellen stark ausgeprägt; der Präfrontalkortex ist stark aktiv; die linken Scheitellappen arbeiten reduziert. Newberg meint, diese Veränderungen halluzinieren das Einheitsbewusstsein. Ramachandran: Mystische Zustände werden durch Amygdala und Hippokampus halluziniert, der Temporallappen ist der 'Gottesmodul'.

Über die Repräsentation meditativer Zustände, von Aufmerksamkeit und Bewusstheit wird zur Zeit sehr viel geforscht [s. Lit. 56]. Die obigen „alles nur“-Interpretationen bezüglich Einheitsbewusstsein und Gottesmodul sind weit überzogen und tauchen in den neueren Forschungen nicht mehr auf. Der Neurologe Martin Korte sagt hierzu: „Neurotheologie ist ein weit überzogener Begriff für einige bescheidene Experimente mit Bruchstücken spirituellen Erlebens. Sie sind umstritten und nicht gut reproduzierbar“. Leider haben aber gerade diese überzogenen Interpretationen bei Laien einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Grundsätzlich gilt: Alles (vieles?, das meiste? - schon das ist fraglich) Geistige wird von Hirnprozessen unterstützt oder zumindest begleitet. Dass diese Prozesse auch durch Magnetfeldhelme, Drogen oa. Reizungen erzeugt werden können, besagt oder beweist nur, dass genau diese Prozesse bei manchen (?!) religiösen Visionen mit ablaufen. Sie sind notwendig für die bewusste Wahrnehmung, denn unser Bewusstsein benötigt das Hirn. Sie sind aber nicht hinreichend zur Erklärung der Gesamtphänomene (s. "Ganzfeldforschung" und "Kritische Argumente"). Wie die Kausalketten bei tiefen religiösen Visionen verlaufen, dass wissen wir nicht, wir können es nur (wie Singer, Roth ua.) hypothetisch extrapolieren und vermuten. Dass der Patient Paul (bei Ramachandran) Licht und eine Dopaminausschüttung schon zuvor als göttlich empfunden und deshalb keinen Unterschied bemerkt hat, mag am Unwissen in diesen Dingen liegen, sowohl bei Paul wie bei Ramachandran, wie auch bei Gerhard Roth und seiner Interpretation seines persönlichen Nahtoderlebnisses. Monisten und Reduktionisten sind gerne terrible simplificateurs, schreckliche Vereinfacher (s. 2-7). Gleiches gilt für Meditierende, die ein Gefühl von Wachheit, Einheit und Verschmelzung, also ein Einheitsgefühl, schon als Einheitsbewusstsein interpretieren und dies dem Experimentator suggerieren. Das Erleben des echten Einheitsbewusstseins ist nur Wenigen vergönnt und ein Augenblicksgeschenk, das nicht durch Meditation hervorgerufen werden kann. Es sind tief bewegende mystische Erfahrungen, wie sie von Meister Eckart, Thomas v. Aquin, Johannes vom Kreuz, Gabriele Wittek uvam. geschildert werden (s. "Mystiker" ua. auf der Startseite). Sie werden gerne auch als Halluzinationen abgetan. Halluzinationen sind jedoch immer verbunden mit krankhaften Veranlagungen, die bei den genannten Personen nicht nachweisbar sind. Siehe hierzu Startseite-"Christus". Dort heißt es: „Wir trafen nur gesunde Frauen und Männer. Dies ist grundlegend und sollte sich stark ins allgemeine Bewusstsein einprägen ... “.


2. Thesen von Wolf Singer

W.S.-1: „Die dualistische Hypothese kann weder durch Nachdenken noch durch Experimentieren bewiesen oder falsifiziert werden.

Nach meiner Erfahrung lehnt Singer entsprechende Fachartikel der Ganzfeldforschung als „unwissenschaftlich“ ab - nachweislich ohne sie gelesen zu haben!

W.S.-2: „Die dualistische Hypothese hat keine Antwort darauf, wann das Geistige sich mit dem Materiellen während der Schwangerschaft verbindet.

Hier ist Singer schlicht uninformiert, weil er „esoterische“ Quellen nicht akzeptiert. Messbar ist das natürlich nicht. Die Verbindung scheint ein allmählicher Prozess zu sein, der meistens - aber nicht immer - nach etwa 70 Tagen abgeschlossen ist.

W.S.-3: „Das selbe Problem stellt sich bei der Evolution. Haben Primaten schon teil am Geistigen? Der Panpsychismus führt zu einer Fülle von Problemen, der Materie bereits mentale Qualitäten zuzuschreiben.

Auch hier ist Singer uninformiert. Inkarnation bedeutet i.w. „Teilhabe am Leben“. Leben ist (höchstwahrscheinlich!?) auch ohne Inkarnation möglich. Insofern mag es auch bei Primaten und Tintenfischen Inkarnation geben bzw. gegeben haben, jedoch sicher in anderer Qualität als beim Menschen. Und die Quantenphysik zeigt (s. "Quantenphysik"), dass „die Fülle der Probleme“ sehr bescheiden und keineswegs unüberwindlich ist. Man kann sogar mehrere mentale Qualitäten in der Materie definieren, z.B. das Ausschlussprinzip, oder Information als Wirkursache (s. Startseite-"Quantenphysik").

W.S.-4: „Für die Verursachung wissen wir keine denkbaren Lösungen, denn das Immaterielle muss Energie aufbringen, um Neuronen zu beeinflussen - und umgekehrt.

Denkbare Lösungen wissen „wir“ sehr wohl, jedoch ist noch viel Forschung nötig, wie übrigens auch in der Neurobiologie. Siehe hierzu oben These 2-2.

Auch bei Singer zeigt sich ein für das gesamte Thema Seele und Tod typischer Mechanismus: Das subjektiv nicht Denkbare wird (von Monisten) als nicht-existent, undenkbar oder unqualifiziert abgelehnt oder (von naiv Gläubigen) als göttlich überhöht. Statt dessen wäre Demut, Staunen und grundsätzliche Offenheit am Platze - sowohl in der Wissenschaft wie in der Theologie.

W.S.-5: (diverse Bemerkungen) „Die Evolution zeigt, dass geistige Leistungen mit wachsendem Hirn korrelieren. Da diese Leistungen auch mit bestimmten Arealen verbunden sind, ist eindeutig das Hirn für diese Leistungen zuständig. Gleiches zeigt die Individualentwicklung: Geistige Leistungen beruhen auf dem wachsenden Vernetzungsgrad. Und weshalb sollten gewisse, z.B. unbewusste Prozesse im Hirn ablaufen und andere, bewusste, in einem dualen Ich, da doch beide Prozesse so verknüpft sind, dass wir sie neuronal als vernetzt ansehen müssen. Das Hirn benötigt keinen immateriellen Agenten

Die Fragwürdigkeit dieser Extrapolationen wurde bereits ausführlich diskutiert, Singer will die Phänomene der Ganzfeldforschung nicht akzeptieren. Es bleibt allerdings die schwierige Frage, ob bzw. für welche Art geistiger Leistungen ein immaterieller Agent, die Seele, zuständig ist bzw. sein könnte. Hierzu existieren viele Meinungen mit vielen Argumenten, auch bei medialen Informanten, so dass noch viel Forschung nötig ist. Nach meinem Wissen hat Singer im Grunde Recht: Das Hirn und die Neurophysiologie benötigen (höchstwahrscheinlich) keinen immateriellen Agenten. Er ist jedoch trotzdem existent, wie "Ganzfeldforschung", "Kritische Argumente" usw. zeigen. Wie dort kurz erwähnt bedeutet die Inkarnation eines „immateriellen Agenten“ in der Kindheit eine gewisse, tendenzielle Prägung der Gesamtpersönlichkeit (der sogenannte „Lebensplan“), und später eine eher passive Teilhabe, ein Mitfühlen an den Erfahrungen, die diese anfängliche Prägung zur Folge hat. Das ist der Sinn der Inkarnation, so wie er uns in neuzeitlichen Offenbarungen vermittelt wird.

3. Zu „Brights, GWUP, Skeptiker“

Richard Dawkins ua. materialistische Wissenschaftler gründeten die Gemeinschaft „The Brights“, weil sie mit dem „hellen Licht ihrer Vernunft“ das Dunkel fundamentalistischer Dogmatiker und überhaupt die ganze Welt durchleuchten wollen. Das ist einerseits lobenswert, führt aber auch zu arroganten Sprüchen, wie sie einige Zeit an einigen Bussen standen bzw. stehen: „Vermutlich gibt es keinen Gott - darum geniesse dein Leben.“ Ursprünglich wollten sie „Es gibt keinen Gott ...“ schreiben, aber das wurde verboten. Eine größere Gefühllosigkeit und Arroganz gegenüber denen, deren Lebensgenuss aus vielerlei Gründen ziemlich eingeschränkt ist, ist kaum denkbar. Zu was führt dieses helle Licht der Vernunft?

In Deutschland gründeten materialistische Wissenschaftler die GWUP (Gesellschaft zur wissenschafltichen Untersuchung parapsychologischer Phänomene) mit zur Zeit etwa 700 Mitgliedern, viele davon Professoren, auch Theologen. Die GWUP trägt die Zeitschrift „Skeptiker“. Auch die GWUP und der "Skeptiker" wären lobenswert, wenn sie sich nicht zu einer selbstgefälligen, sektiererischen und dogmatischen Gemeinschaft entwickelt hätten. Echt kritische, also auch selbstkritische Diskussionen finden nicht statt. Kritiker in den eigenen Reihen werden gemobbt und verlassen die GWUP (mehrere Fälle sind bekannt). Typisch ist:
Beispiel Korotkov: „irgend so ein russischer Pseudowissenschaftler
Beispiel eines Fachartikels: „warum ist das nicht in Science erschienen?
Hierzu muss man wissen: 1965 erschien der Artikel "Extrasensory EEG induction between identical twins" in Science und erzeugte eine Flut entrüsteter Leserbriefe: „esoterische“ Themen hätten in Science nichts zu suchen. Die GWUP weiß das natürlich. Warum dann die Frage?

Beispiel die in "Ganzfeldforschung" angegebenen Fachartikel. Hierzu schrieb mir Wolf Singer: „Das Problem ist, dass die von Ihnen zitierten Experimente unter gut kontrollierten Bedingungen leider nicht reproduzierbar waren. Sollte es tragfähige Evidenzen geben, müßten wir in der Tat umdenken.“ Nun, die von mir zitierten Experimente waren gut kontrolliert und reproduzierbar, und als ich dies Singer mitteilte, antwortete er nicht mehr, denn umdenken ist in der Tat schwer.

4. Literatur

[1]Turturs Homepage
[2] Turturs Entdeckung im Überblick
Turturs physikalische Arbeit (für Quantenphysiker)
[3 ]Exozytose
[4] John Eccles, "Wie das Selbst sein Gehirn steuert", Springer 1994;
[5] Beck F. und Eccles J.C. (1992), "Quantum aspects of brain activity and the role of consciousness", Proc. Nat. Acad. Sci. 89, 11357. ]

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