Schöpfung

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Inhalt:
Schöpfung
Erschaffung des Menschen

Viele Offenbarungen behandeln das Schöpfungsgeschehen. Es gibt große Übereinstimmung, und sie klingen vernünftiger und stimmiger als die knappen biblischen Mythen.
Dabei wird deutlich, dass der sogenannte Sündenfall, unsere Absonderung von Gott, nicht nur als Möglichkeit geplant war, sondern dass er sogar Sinn und Zweck der Schöpfung ist.
Die von allen Religionen gepredigte "Schuld" gibt es aus Sicht des Schöpfers nicht.

Schöpfung

Jacob Böhme, der erste große protestantische Mystiker, lebte um 1600 bei und in Görlitz. Böhme schreibt: „Wenn ich dir die Geburt Gottes aus sich selbst begreiflich machen soll, kann ich dich nicht also unterrichten, daß du es verstehst. Es ist in Gott kein Erstes und Letztes der Geburt und Entwicklung; doch muß ich eines nach dem andern setzen.“ Das ist das Problem allen Redens um diese Dinge. Böhme schreibt weiter: „Gott hat Willen und ist selber der Wille. Nun hat jeder Wille eine Sucht, etwas zu begehren oder zu tun, und hierin schaut er sich selber ... und macht sich selbst einen Spiegel. Die Lust dieses Willens ist ein Geist und macht eben in dem Begehren den Spiegel. Der Geist ist das Leben, und der Spiegel ist die Offenbarung des Lebens, ohne welchen sich der Geist selber nicht erkennen könnte.“ (Lit. 8,9)

Das sind eigenwillige und scharfsinnige Sätze für eines ungebildeten Schuhmachers, Sohn eines armen Bauern, inmitten einer protestantisch-starrsinnigen Umgebung, die zu solchen Gedanken nicht den geringsten Anlaß bietet. Aber diese Zitate sind die Sprache Böhmes, und da könnte, wie auch bei dem visionären Mystiker Swedenborg, viel Subjektives dabei sein. Kant fand diese Sprache „ganz abscheulich und voll Unsinn“ (s. "Kant"). So arrogant wollen wir nicht sein, die Bilder Böhmes bleiben jedoch auch uns fremd.

Bei Jakob Lorber (s. "Medien" und Lit. 7,8) werden ähnliche Bilder in größerer Klarheit ausgeführt. Vielleicht werden wir uns daran gewöhnen müssen, daß die Erschaffung des Menschen nicht so einfach war, wie es die Bibel nahelegt. Lorber beschreibt nicht in seiner persönlichen Sprache visionäre Bilder, sondern er erlebt Auditionen als Diktate. Man nennt Lorbers klare innere Stimme allgemein „das göttliche Wort“, denn sie spricht mit einer majestätischen Authorität. Zum Thema Schöpfung wurde Lorber unter anderem folgendes in Ich-Form diktiert: „Die Gottheit war von Ewigkeit her die alle Unendlichkeit durchdringende Kraft. In der Mitte ihrer Tiefe war ich von Ewigkeit die Liebe und das Leben selbst in ihr; aber siehe, ich war blind wie ein Embryo im Mutterleib! ... Die Gottheit aber gefiel sich in der Liebe, und der Liebe ward es immer heißer in ihrer Mitte, und alle Mächte und Kräfte stürmten auf dieselbe los, und die Liebe ward gedrückt von allen Seiten. Und siehe, da ward ein großes Rauschen, und das Rauschen ward zum Tone, der Ton aber ward zum Worte, und das Wort sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht in allen Räumen der Unendlichkeit ... Und Gott sah in sich die große Herrlichkeit seiner Liebe und siehe, die Gedanken der Liebe waren selbst Liebe und waren ohne Zahl. Da sprach die Liebe in der Gottheit: Lasset die Gedanken der Herrlichkeit heraustreten, daß sie frei werden und uns empfinden und sehen, wie wir sie empfinden ... Und es war ein Heer der Geister aus Gott frei, deren Zahl kein Ende hat, und die Liebe sah sich selbst verunendlichfältigt und sah ihre unendliche Schönheit vollkommen.

Das ist nicht die Sprache des einfachen und bescheidenen Kapellmeisters Jakob Lorber. Wir finden diese wortgewaltige Ich-Form auch 600 Jahre früher bei Mechthild von Magdeburg. Ihr, der naiven jungen Frau, diktierte "das göttliche Wort": „Wenn ich je außerordentliche Gnaden gab, suchte ich immer den niedrigsten, geringsten, verborgensten Ort. Denn die Flut meines Heiligen Geistes fließet von Natur aus zu Tal. Man findet manchen weisen Meister der Schrift, der vor meinen Augen dennoch ein Tor ist. Es ist mir vor ihnen eine große Ehr, daß der ungelehrte Mund die gelehrte Zunge aus meinem Heiligen Geist belehrt.“ Diese Sprachgewalt und Ich-Autorität steht in scharfem Gegensatz zu der naiv-erotischen Sprache der jungen Mechthild. Bei Lorber hält die Sprachkraft an über zehntausend Druckseiten. Sprachlich vergleichbar in unserer Zeit ist die Christusoffenbarung über Gabriele Wittek (s. "Christus") und die "Gespräche mit Gott" über N.D. Walsch (Lit. 48). Wer diese Phänomene als schizoiden Wahn abtun möchte, der tut sich schwer, diese Sprachgewalt, die logische Stimmigkeit und die Übereinstimmung der Botschaften untereinander überzeugend zu erklären.

Hierzu ein weiteres Beispiel aus "Gespräche mit Gott" (Lit. 48-I).: „Am Anfang war nur das, was Ist. Doch Alles-Was-Ist konnte sich nicht selbst erkennen, weil nicht nichts war. Denn in Abwesenheit von etwas anderem ist Alles-Was-Ist nicht. Das ist das große Ist/Ist-Nicht, auf das sich die Mystiker seit Anbeginn der Zeit bezogen haben. ... Diese Energie des Alles-von-Allem entschied sich dazu, sich selbst zu erfahren. ... Und so teilte sich Alles-Was-Ist in sich selbst - wurde in einem gloriosen Augenblick das, was hier ist, und das, was dort ist. Und das, was weder hier noch dort ist, in dem alles enthalten ist. Es ist der Nicht-Raum, der den Raum enthält, es ist Alles, das hier und dort enthält. Es ist das, was manche Menschen Gott nennen. Doch das ist auch nicht präzise, denn ich bin zugleich Alle Dinge, das Hier, das Dort und das Nicht hier und dort. ... Aus dem Kein-Ding ging also Alles hervor - ein spirituelles Ereignis, das völlig vereinbar, identisch ist mit dem, was eure Wissenschaftler die Theorie des Urknalls nennen.

Erschaffung des Menschen

Weiter heißt es in Lit. 48: „Der Teil Gottes, der die zweite Hälfte der Bin/Bin-Nicht-Gleichung bildet, explodierte ebenfalls zu einer unendlichen Anzahl von Einheiten, die kleiner sind als das Ganze. Diese Energieeinheiten im 'Reich des Himmels' würdet ihr Geistwesen nennen, Kinder Gottes. Mit dieser Teilung meiner selbst verfolgte ich das göttliche Ziel, mich selbst erfahrungsmäßig kennenzulernen. ... Und so gab ich allen meinen Geist-Kindern die gleiche Macht zu erschaffen, die ich als Ganzes besitze. Das meinen die Religionen, wenn sie sagen, dass ihr 'nach dem Ebenbilde Gottes' erschaffen seid. Unsere Essenz ist die gleiche. Wir SIND 'der selbe Stoff'!

Das Gott durch Teilung 'sich selbst erfahrungsmäßig kennenlernen' möchte, wird bei Lorber so ausgedrückt: „Da sprach die Liebe abermals: Lasset uns machen, dass sie sich erkennen, damit sie dann mich und durch mich auch dich erkennen mögen.

Etwas einfacher und prosaischer, aber dafür genauer beschreibt diese Vorgänge das Geistwesen, das über den 17-jährigen Erich Zimmermann als Tieftrancemedium zu dem katholischen Priester Johannes Greber sprach (s. „Medien“): „Christus ist der höchste Geist, den Gott erschaffen hat. Er ist in allem sein vollkommenstes Ebenbild, soweit ein geschaffener Geist überhaupt die Vollkommenheit des Schöpfers besitzen kann. Darum nennt ihn Paulus (Kol.1,15) zu Recht 'ein Ebenbild des unsichtbaren Gottes und der Erstgeborene der ganzen Schöpfung'“ (wie Paulus zu dieser Erkenntnis kam s. Startseite-"Bibel"-Paulus).

Bei Greber (und gemäß der Synopse von P. Michel [Lit. 8] sinngemäß bei anderen Mystikern) heißt es weiter: „Die ganze Geisterwelt außer Christus ist nicht eine direkte Schöpfung Gottes, sondern sie wurde durch Christus ins Leben gerufen. Es haben die himmlischen Wesen ihren himmlischen Leib Christus zu verdanken, während ihr Geist als von Gott kommend jedesmal von Gott aus mit dem himmlischen Körper vereinigt wurde. Die ganze Geisterwelt hat also den Grund ihres geist-leiblichen Daseins in Christus und ihren Geist von Gott ... So geht es ja auch mit dem irdischen Menschengeschlecht: Es hat den Grund seines Daseins in den Zeugenden, und ihr Geist wird ohne Mitwirkung der Zeugenden mit dem Körper vereinigt.“ Eigenartigerweise wusste das auch Paulus, Kol.1,16-17: „Denn in Christus ist alles geschaffen, was auf Erden und im Himmel ist. Er ist vor allen, und es besteht alles in ihm.“ (zur Diskussion der Paulinischen Offenbarungen s. Startseite-"Bibel"-"Paulus").

Weiter bei Greber: „Die durch Christus zur Gemeinschaft mit ihm und zur Führung durch ihn erschaffene Geisterwelt war trotz Verschiedenheit in ihrer Art zu einem wunderbaren lebendigen Organismus vereinigt.“ Auch das wusste Paulus, Röm.12,4-6: „Wir sind ein Leib in Christus“. Das war und ist 'das Reich Gottes', das o.g. 'Reich des Himmels'. Das 'Reich Gottes' zeigt sich durch Friede oder Stille in mir, es ist eine paradiesische Möglichkeit für die Menschheit, und es ist zugleich die Sphäre direkt um Christus und Gott, unsere ursprüngliche und zukünftige Heimat. Mystiker und Erwachte kennen diesen Zustand aus persönlicher Erfahrung (s. die entspr. Kapitel).
Warum wir heute nicht (mehr) im Reich Gottes sind, warum einige in diesem Leben dorthin gelangen, und wie wir alle wieder dorthin gelangen können, das ist die Geschichte von Schöpfung, Sündenfall und Erlösung. Sie wird nach meiner Kenntnis nirgends besser, klarer, verständlicher und einleuchtender beschrieben als in "Gespräche mit Gott", Lit. 48.
Das Kapitel "Sündenfall" ist die Fortsetzung dieses Kapitels.

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