Reinkarnation
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Seit 5000 Jahren finden wir bei allen großen Kulturen, im Westen wie im Osten, Dokumente zu diesem Thema, und zugleich lehnen die theologischen Vertreter von Juden, Christen und Muslimen den Reinkarnationsglauben ab. Im Christentum liegt seit dem Jahr 553, seit dem 5. Konzil von Konstantinopel, sogar ein Bannfluch auf jedem, der die Reinkarnation befürwortet. Diesem alten Streit möchte ich mich nicht anschließen, sondern statt dessen lieber nach naturwissenschaftlicher Manier die Phänomene und ihre Erklärungsmodelle betrachten. Es ist in der Tat erstaunlich, welche Vielfalt an Erfahrungen und Informationen in den letzten Jahrzehnten zu diesem Thema öffentlich geworden ist. Wer bereit ist, der Frage nach Seele und Bewusstsein offen und neugierig nachzugehen, dem eröffnen sich anhand dieses Phänomens faszinierende Ausblicke auf die wunderbare Großartigkeit der Seele und des Lebens überhaupt. Ich beschränke mich auf vier Beispiele. 1. Viele kennen die tief beeindruckenden Erfahrungen, die bei Familienaufstellungen nach Hellinger gemacht werden können. Da werden völlig unwissende Teilnehmer von Emotionen und Gedanken ergriffen, die ihnen in dieser Heftigkeit und Klarheit ein Rätsel, die jedoch im gesamten Kontext überzeugend und hilfreich sind. Ich habe das selbst zweimal in einer Rolle als eine mir ganz unbekannte Person erlebt, als ich ohne jegliches Überlegen plötzlich genau wusste, was ich zu sagen hatte, und dass ich mir ganz unerklärliche Anfälle von tiefer Trauer und von einem sanften, warmen Glücksgefühl hatte. Diese Kräfte verschwinden auch nicht so bald, sie können noch Stunden nach einer Sitzung spürbar sein. Die Empfindung ist so, als ob fremde Gedanken oder Emotionen in einer Person wirksam werden, sich durch sie wieder neu in der Realität ausdrücken, sich reinkarnieren möchten. Dr. Franz Ruppert, Professor für Psychologie an der katholischen FH München, beschreibt dieses Phänomen sehr anschaulich anhand einer Vielzahl von Fällen aus seiner Praxis [Lit. 29]. 2. Eine Steigerung solcher Erfahrungen erleben manche Menschen, von denen kürzlich mehrere TV-Dokumentationen in Zusammenarbeit mit der bekannten Reinkarnationstherapeutin Ursula Demarmels aus Salzburg berichteten. Der Film "Macht der Gedanken - Reise in die Vergangenheit" des Produzenten Dr. Manfred Bölk, Arzt u. Psychologe, erschien am 12.2.2009 im SWR. Eine Frau namens Lisa erinnert detailreich ihr Leben als Elisabeth von Thüringen im 13. Jhdt.. Das ist ein Glücksfall, weil das kurze und intensive Leben der Elisabeth samt ihrer Zeit sehr gut dokumentiert ist, und weil Lisas Erinnerungen an den drei Orten ihres damaligen Wirkens von dortigen Historikern geprüft werden konnten - und für richtig befunden wurden! Beeindruckend ist die Intensität der Gefühle, die mit diesen Erinnerungen verbunden waren, und die Klarheit mancher scheinbar unwichtiger und doch historisch richtiger Details. Dass dieser Film kein Theater ist, dafür bürgen Dr. Bölk, der SWF, die überzeugenden Details und die Intensität der Gefühle der sich erinnernden Frau. Ist das aber tatsächlich die Seele der Heiligen Elisabeth, die sich hier und heute wieder reinkarniert? 3. Tatsache ist nämlich auch, dass eine medial begabte Frau in Berlin mit Namen Maryam ebenfalls sagt, sie sei eine Wiedergeburt der Heiligen Elisabeth (hier). Zeitgleich! Allerdings hat sie keine nachprüfbaren Erinnerungen wie Lisa. Ist das nun reine Fantasie? Oder kann uns das zu einem tieferen Verständnis dessen führen, was hier geschieht? 4. Um die Sache noch verwirrender zu gestalten, spricht Maryam davon, dass z.B. Franz von Assisi und Elisabeth von Thüringen Parallelinkarnationen gewesen seien, und dass es durchaus häufig zu Parallelinkarnationen der selben Seele käme. Ähnliche Begriffe wie Seelenkopie oder Zwillingsseele sind auch aus anderen Schilderungen bekannt (Matthaei, Jung). Nun könnte man auch diese Meinungen ins Reich der Fantasie verweisen, da sie weder historisch noch psychologisch überprüfbar sind. Lassen wir das aber trotzdem zunächst so stehen. Wenn wir diese Phänomene verstehen wollen, können wir z.B. bei Michael von Brück [Lit. 52] nachlesen, wie die Kulturen der Welt über Reinkarnationen denken. Aber die Quellen dieser Erkenntnisse liegen im historischen Dunkel, und der Wahrheitswert reinen Nachdenkens über außersinnliche Phänomene ist zweifelhaft. Mehr Licht können
uns heutige mediale Offenbarungen, sogenannte Durchsagen von
Geistwesen bringen. Offenbarungen gehören ebenso wie mystische
Visionen zum lebendigen Kern aller Religionen, auch des
Christentums. So zeigt die Abbildung,
Die Skepsis, die generell gegenüber Offenbarungen gezeigt wird, ist insofern berechtigt als auch jenseitige Geistwesen keine Alleswisser sind. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen müssen wir akzeptieren. Ihren Meinungen über größere Zusammenhänge wie den Sinn des Lebens, über Jesus ua. hingegen sollten wir mit Vorsicht begegnen, denn hierfür sind nur Gott oder Christus kompetent (s.u. Abschnitt 'Folgerungen'). Ich werde nun anhand dreier jenseitiger zeitgenössischer Erfahrungsberichte versuchen, einen stimmigen Erklärungsrahmen für die Reinkarnationsbeispiele zu finden. Die Vorstellung der linearen Ich-Kontinuität wird unterstützt durch die 1948 um das Medium Beatrice Brunner entstandene Geistige Loge Zürich. Diese GLZ fand leider nach vielen Jahren durch finanzielle Veruntreuungen ein unrühmliches Ende, aber das hat mit Beatrice und mit dem Inhalt der Botschaften nichts zu tun. Bis dahin wurden über 1500 einstündige Vorträge festgehalten, eine riesige Fülle von Informationen über das, was uns nach dem Tod erwartet. Es sind jeweils Erfahrungsberichte Verstorbener über ihr Sterben und über ihre momentane Existenz. Hier ein paar typische Bruchstücke als Zitat: „Mein Name ist Brigitte. Ich bin umringt von vielen schönen Wesen, darunter auch Verwandte ...“, oder: „Ich (Josef) habe gerade mit lieben Geschwistern zusammen unsere Häuser und Gärten geschmückt ...“, oder:„Mein Name ist Christoph. In der Geisteswelt bin ich belehrt worden, dass ich ein geiziges Leben geführt habe ...“. [Lit. 4] Diese Berichte zeigen einen geringen Unterschied von Diesseits und Jenseits. Für die Guten ist es schöner und lichtvoller, für die Schlechten dunkel und öde. Alle haben ihre ursprüngliche Persönlichkeit beibehalten und werden nach einigen Belehrungen erneut inkarnieren. Die Erfahrungsberichte widersprechen dem indischen Buddhismus, der keine individuelle Seele kennt, sowie der protestantischen Theologie, nach der es eine Ich-Kontinuität nach dem Tod nicht gibt (die Ganztodlehre - man stirbt den ganzen Tod und hofft auf Auferstehung am Jüngsten Gericht - ist vorherrschend in der protestantischen Theologie, s. Startseite-"Theologie"). Aber welcher Sinn könnte darin liegen, dass die so fromme und herzensgute Elisabeth von Thüringen sich in einer unauffälligen, gutbügerlichen Existenz reinkarniert? Müsste sie nicht schon längst erlöst sein? Auch kann die GLZ die Phänomene der Parallelinkarnationen und Familienaufstellungen (die Beispiele 1, 3 und 4) nicht erklären. Ein besseres Verständnis gelingt dadurch, dass wir uns Seelenwesen nicht als umherirrende Einzelwesen betrachten, sondern dass wir individueller Teil eines größeren Seelenkomplexes sind. Hierüber informiert uns das Medium Varda Hasselmann [Lit.53]. Ihr geistiger Informant spricht von einer höheren Warte aus. Für ihn spielen Name und Persönlichkeit keine Rolle mehr, er existiert in der sogenannten Kausalebene und spricht von sich als "Wir" und als Sprecher einer Seelenfamilie, die „aus über 1000 Fragmenten besteht, die sich nicht mehr als Gruppe von Individuen versteht, sondern als eine Ganzheit, die sich aus vielen individuellen Identitäten zusammensetzt ... die sich noch voneinander unterscheiden, aber nicht mehr im Sinne einer unterscheidbaren Identität“ Hiernach existieren die Verstorbenen, die sich bei der GLZ melden, als fragmentierte Individuen in einer "tieferen" Ebene, der sog. Astralebene. Diejenigen, „die den Weg der Erkenntnis und der Läuterung, der Erfahrung und des Schmerzes bis zum Ende beschritten haben“, sammeln sich dann allmählich und treten mit der letzten Seele ihrer Familie als Seelenfamilie in einen anderen Bereich, die sog. Kausalebene, über. Dies ist die endgültige Erlösung aus den Reinkarnationszyklen, und es wäre auch eine der Möglichkeiten, den von Paulus in 1.Kor. 15,51 beschriebenen Auferstehungsglauben zu verstehen. Hilft
uns diese Information beim Verständnis der Beispiele 1-4? Schon
eher, denn die Seelenfamilie besitzt ein gemeinsames Gedächtnis,
die Sammlung aller Erfahrungen ihrer individuellen Identitäten,
das von C. G. Jung erstmals erforschte kollektive Unbewusste.
Wir könnten somit sowohl die von Maryam erwähnten
Parallelinkarnationen wie das Erinnerungsphänomen von Lisa als
Inkarnationen verwandter Seelen einer Seelenfamilie interpretieren,
die auf die gemeinsamen Erinnerungen zugreifen können.
Dieser Erklärungsrahmen wird noch passender durch die Vorträge über „multi-dimensionale Seelenwesenheiten“, die wir über das Medium Jane Roberts von einer Seelenwesenheit namens "Seth" erhalten haben [Lit.51]. Seth möchte ein möglichst komplexes Bild seelischer Zusammenhänge vermitteln und schildert hierzu den Weg der Evolution: aus der Einheit in die Vielheit der Individualitäten und Teilbewusstheiten bis hin zu Gedanken und dem Minibewusstsein von Molekülen und Atomen. Ein einigermaßen passendes Bild hierfür dürfte das berühmte Apfelmännchen von Mandelbrot sein (s. Abbildung).
Die Seele, das Selbst, ist nach Seth eine „multi-dimensionale Wesenheit“, d.h. ein Bewusstseinskomplex, der sich in ständiger Neuschöpfung in vielerlei Fragmente verästelt (die creatio continua der christlichen Theologie). Diese empfinden sich bewusst als getrennt, sind jedoch unbewusst verbunden. Zitat: „Die Wesenheit, das wahre multidimensionale Selbst, ist sich aller seiner Erfahrungen bewusst, und sein Wissen ist den anderen Teilen des Selbst bis zu einem gewissen Grad zugänglich.“ [51,S.236] Es wird noch komplizierter, denn „dem Selbst sind keine Grenzen gesetzt. Eine Persönlichkeit als Teil von einer Wesenheit kann von sich aus ganz andere Interessen entwickeln. Es kann einsame Wege gehen oder kann sich zu anderen Wesenheiten hingezogen fühlen und sich ihnen anschließen.“ [51,S.362] Seth gibt ein Beispiel mit Jesus: „Der historische Christus (Jesus) wusste, dass er eine von drei Persönlichkeiten war, die zusammen die Christuswesenheit bildeten.“ Seth nennt Johannes den Täufer, Jesus und Paulus. Nach Seth gingen ihnen mehrere Inkarnationen voraus, deren Erfahrungen im Gedächtnis der Christuswesenheit den drei irdischen Persönlichkeiten die nötige Sicherheit, Kraft und Motivation ihres Auftretens gaben. Leider wird der Begriff des Individuums hiermit paradox. „Ihr müsst wissen“, sagt Seth, „dass es jene Persönlichkeiten (Seths eigene frühere Existenzen) noch gibt und dass sie eine unabhängige Existenz führen. Während das, was ich heute bin, einstmals in diesen Persönlichkeiten enthalten schien, war ich in Wirklichkeit nur der Samen, aus dem sie hervorkeimten. Ich erinnere mich zwar an das, was ich einmal war, doch sollten diese Persönlichkeiten auch für sich selber sprechen.“ [51,S.400] Dieses 'auch' ist für unseren Verstand paradox: Wie kann man gleichzeitig etwas Umfassendes, eine schöpferische Wesenheit, ein Selbst, und etwas Einzelnes, ein separat sich entwickelndes Individuum, ein Ich, sein, das selbst wieder schöpferisch eigenwirksame Gedanken in die Welt setzen kann? Aber wie sollte Ich-Seele nicht paradox sein, wenn sogar die so feste und scheinbar eindeutige Materie in ihrer Basis paradox ist? [s. Startseite-"Quantenphysik"] Seth tröstet uns ein wenig: „Die Unendlichkeit ist in diesen simultanen Aktivitäten auf eine Weise aufgehoben, die momentan noch über euren Verstand geht.“ Das noch recht einfache Bild der Seelenfamilie erweitert Seth also zum
Bild einer vielgliedrigen, „multi-dimensionalen“
Seelen-Wesenheit. Die verschiedenartigen
Reinkarnationserfahrungen erklären sich durch Seth folgendermaßen:
Damit vermittelt Seth im Sinne des Erkenntnistheoretikers Karl Popper die wahrheitsähnlichste Vorstellung, weil sie die meisten Phänomene erklärt. Echte und unechte Reinkarnationen sind für den Erlebenden nicht unterscheidbar, es sind einfach intensiv erlebte bzw. „erinnerte“ historische Szenen. Aus physikalischer oder neurologischer Sicht jedenfalls sind diese Phänomene nicht erklärbar.
Diejenigen Lehren,
die nach dem Tod die Individualseele mit Gott, dem universalen
Weltbewusstsein, vereinigt sehen, sei es
Müssen wirklich viele Milliarden Seelen so oft reinkarnieren, bis sie je einzeln als Gutmenschen heimkehren dürfen? Oder, besser und kürzer gefragt: Warum inkarnieren wir überhaupt? Ob wiederholt, ist dann eher sekundär. Gültige Antworten können nur von jenseitigen Geistwesen kommen, vor allem von der großen Offenbarung „Gespräche mit Gott“ [Lit.48]. Gleiche Informationen gibt auch Hasselmanns neuere Offenbarung Lit.55. Die Aspekte von Gut und Böse, überhaupt die ganze Aura von Schuld, Sünde und Erlösung, von Bestrafung, Läuterung und Veredelung, die die westlichen und östlichen Religionen durchzieht, werden von beiden geistigen Informanten energisch beiseite geschoben. Der Sinn individueller Leben und des Lebens ganz allgemein besteht vielmehr darin, Erfahrungen zu sammeln, und zwar mit allen möglichen Aspekten von Liebe und Lieblosigkeit - sowohl bei sich selbst wie im Miteinander. Und diese Erfahrungen so zu verinnerlichen, dass wir daran reifen. Reifen an Liebe, Akzeptanz, Vergebung und eigener Verantwortung. Dieser in Lit.48 und 55 uvam. ausführlich dargestellte Kerngedanke der Schöpfung ist die Grundlage aller Vergebung und der Auflösung von Schuld und Sünde durch Liebe. Durch unsere Seele, einem mehrstufig fragmentierten Ebenbild (oder Seelendoppel) Gottes, teilt Gott unsere Erfahrungen mit Angst, Schmerz, Trauer und Leid, Schöpfung und Zerstörung, Glück und Liebe. Lisas Mitgefühl an Elisabeths Erfahrungen mag ein Beispiel dafür sein, wie generell mein Leid zugleich Gottes Leid sein kann, und meine Freude und Liebe die seine. Freude und Leid des irdischen Lebens vermitteln über den Körper besonders intensive Erfahrungen, und wenn die Summe dieser Erfahrungen für eine individuelle Seele genügt - unsere Seelenwesenheit weiß das von alleine, die göttliche Gnade ist ein Glaubensrelikt aus feudalistischen Zeiten - dann ziehen sich ICH und meine Seelenwesenheit aus dem Reinkarnationszyklus zurück und erwerben weitere Erfahrungen in anderen Welten. Beim heutigen Stand des westlich-abendländischen Bewusstseins und beim Zustand unserer Erde wird es zunehmend wichtiger, alte Teilwahrheiten und abergläubische Vorstellungen abzulegen. Dazu dienen auch die heute öffentlich diskutierbaren Reinkarnationsphänomene und Offenbarungen. Im Sinne von Hasselmann, Walsch ua. sagt Seth hierzu: „Diese Information (über Seelenwesenheiten und Weltbewusstsein) muss bewusst werden. Man kann dann die Bilder im Augenblick des Todes verstehen und kann mit vollem Bewusstsein in die nächste Existenzebene hineingehen. Bis zu einem gewissen Grad wird die gedankliche Realität zur gestaltgebenden Kraft hinter der physischen Materie.“ [51,S.339] Dies deckt sich mit der Kernaussage des tibetischen Totenbuches Bardo Thodul, dessen Details allerdings durch die heutigen Offenbarungen überholt sind.
Wer ist nun ICH?
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