Diktate, Schreib- und Tieftrancemedien

zur Startseite

zum Autor
zur Literatur
zu Drucktexten

Inhalt:
Johannes Greber
Tieftrancemedien
Schreibmedien
Diktate

Verschiedene Arten medialer sogenannter 'Durchgaben' bzw. 'Wortoffenbarungen' werden beschrieben.
Ich halte sie deshalb für besonders interessant, weil sie durch ihre Charakteristika und durch Vergleich eine viel besser Abgrenzung gegenüber der unbewußten Individualität des Mediums erlauben als die Bildoffenbarungen.

Phänomene wie Nahtoderfahrungen, Sterbende und Christuserlebnisse sind jeweils kurze Einzelerscheinungen. Bei den sogenannten Medien, insbesondere bei den Tieftrancemedien, ist das anders. Kant hielt es ja bereits für möglich, daß man sich „bisweilen der Einflüsse von Seiten der Geisterwelt sogar in diesem Leben bewußt wird. Dies kann sich nur bei Personen ereignen, deren Organe eine ungewöhnlich hohe Reizbarkeit haben.“ Solche Personen sind allgemein als medial begabt oder als Medien (=Mittler) bekannt. Darüber gibt es umfangreiche Berichte, in den Jahrzehnten um 1900 auch immer wieder von Wissenschaftlern, die solche Scéancen kritisch verfolgt haben. Wenn ein Medium solche „Einflüsse von Seiten der Geisterwelt“ intuitiv erfasst, wie z.B. Rudolf Steiner, dann schließe ich mich den Bedenken Kants an, daß man schwer unterscheiden kann, was immaterielle Realität ist und was nur ein Hirngespinst.

Diese Bedenken scheiden bei den Tieftrance- und Schreibmedien weitgehend aus. Besonders die Tieftrancemedien sind ein hochspektakuläres Ereignis, weil sich bei diesen Menschen schlagartig die Persönlichkeit wandelt. Es stellt sich so dar, daß die Seele oder das Selbst des Mediums ihre Verbindung mit dem Körper löst, und an ihre Stelle tritt vorübergehend eine vollständig neue und andere Persönlichkeit. Ich habe das selbst erlebt bei dem Medium Gabriele Wittek (s. "Christus"). Leider kenne ich keine moderne fachwissenschaftliche Beurteilung solcher Fälle, aber als schizophren können diese in beiden Phasen je vollkommen gesund und konsistent handelnden und sprechenden Personen nicht gelten. Besonders interessant und herausragend finde ich den Bericht des katholischen Priesters Johannes Greber über solch ein Tieftrancemedium. Dieser Bericht ist so klar, sachlich und umfangreich, daß ich zunächst zur Person Grebers ein wenig sagen möchte. Werner Schiebeler, Professor für Physik, Parapsychologie und Parapsychophysik, schrieb Grebers Biografie (siehe unten unter "Literatur").

Johannes Greber wurde zunächst Priester im Hunsrück. Greber war stark sozial engagiert, gründete einen ländlichen Krankenhilfsbund, der in ganz Deutschland kopiert wurde, und unter anderem brachte er es fertig, während des 1. Weltkriegs 7000 hungernde Kinder aufs Land und weitere 14.000(!) in holländische Familien zur Erholung zu verschicken – gegen viele Widerstände. Er lebte dabei ohne Gehalt, Familien nahmen ihn jeweils als Gast auf und die Reichsbahn fuhr ihn umsonst. 1921 wurde Greber Priester in Kell im Brohltal im Hunsrück, bis er sich 1925 vom Dienst suspendieren ließ und im Mai 1926 auch sein Priesteramt aufgab, weil er seine spirituellen Erkenntnisse nicht mehr mit der Theologie seiner Kirche vereinen konnte.

Tieftrancemedien

Ich zitiere nun aus Prof. Schiebelers Greberbiografie: „Im Sommer 1923 kam ein Mann zu Greber und berichtete, daß er wöchentlich mit einem kleinen Kreis von Menschen in Koblenz zu einer Art Gottesdienst zusammenkomme. Unter den Anwesenden sei auch ein Junge von 16-17 Jahren mit Namen Erich Zimmermann. Er habe nur eine mittelmäßige Schulbildung und sei Lehrling .... Er bat Greber, sich doch ein Urteil über diese Sache zu bilden.

Nun berichtet Greber selbst: „Bis zum Beginn der Sitzung hatte ich hinreichend Gelegenheit, mich mit dem Jungen zu unterhalten. Ich fand bald, daß er sich in nichts von anderen mittelmäßigen Jungen seines Alters unterschied. Dann begann die Sitzung mit einem kurzen Gebet. Kaum war es beendet, da fiel der Junge mit einem so plötzlichen Ruck und unter lautem Ausstoßen des Atems vornüber, daß ich erschrak. Nach wenigen Sekunden wurde er wie von einer unsichtbaren Hand ruckweise emporgerichtet und saß nun mit geschlossenen Augen da. 'Grüß Gott', begann er und wandte sich an mich: ' Weshalb bist du hierher gekommen?' “ Es geht ziemlich dramatisch und mit einer glasklaren Sinnhaftigkeit und Logik weiter (Lit. 3). Das erste Kapitel des Greberbuchs können Sie als PDF direkt hier lesen.

Der Großteil des Greberschen Buches besteht aus stenografischen Notizen Grebers während und nach diesen Sitzungen. Dieses Phänomen ist aus mehreren Gründen besonders interessant: Der 16jährige Junge konnte unmöglich über das klare Wissen verfügen, das aus ihm während der Sitzungen mitgeteilt wurde. Erklärungen über das Unterbewußte scheiden ebenso aus wie die Sorge Kants vor „Hirngespinsten“. Und Greber selbst ist eine gut dokumentierte historische Persönlichkeit, der jegliche spiritistische Fantasie fern lag. Im Gegenteil: Er mußte wegen dieser Sitzungen sogar seinen Beruf als Priester aufgeben und in armseligster Weise weiterleben. Schade, daß Kant Greber noch nicht kannte.

Schreibmedien

Greber erhielt den Auftrag, in seiner Gemeinde einen eigenen Kreis aufzubauen. Dort erlebte er mit, wie von seiten der Geisterwelt zwei junge Männer als Tieftrancemedium und als Schreibmedium ausgebildet wurden. Greber fragte das Schreibmedium Carl Gasber nach seinen Empfindungen. Zitat nach Greber: „Er habe unter dem Einfluß einer Gewalt gestanden, die so groß war, daß er nicht widerstehen konnte. Er sei zum Schreiben gezwungen worden. Es sei ihm dabei gewesen, als ob ihm die eigenen Gedanken weggenommen und durch andere ersetzt wurden. Er habe gewußt, daß er schrieb. Auch des Inhaltes eines jeden Satzes sei er sich bewußt gewesen, aber nur solange als er den Satz schrieb. War ein Satz zu Ende, so habe er keine Erinnerung mehr daran gehabt, sondern der folgende Satz habe seinen Geist vollständig ausgefüllt, und er sei gezwungen gewesen, ihn mit den Worten niederzuschreiben, die ihm gegeben wurden. Es sei ihm unmöglich, das Geschriebene zu wiederholen.

Carl Gasper hat dabei in einer schönen, flüssigen Handschrift geschrieben (Foto in der Biografie von Schiebeler), die völlig anders war als seine eigene. Dieses Phänomen wird ebenfalls beschrieben von der Französin Marcelle de Jouvenel. Sie war Mutter eines früh verstorbenen Kindes, und ihr verstorbenes Kind machte sie zum Schreibmedium. Frau Jouvenel beschreibt dies so: „Meine Hand geriet in zitternde Bewegung, und plötzlich begann sie, ganz im Gegensatz zu meiner eigenen Handschrift, mit großen, schrägen Zügen zu schreiben.“ Graphologen sagen, es sei außerordentlich schwer, seine Handschrift zu verstellen, insbesondere wenn zügig und flüssig geschrieben wird.

Neale Donald Walsch beginnt Band I seines Buches "Gespräche mit Gott" (Lit. 48) folgendermaßen: "... so griff ich wieder einmal zu meinen altvertrauten Notizblock und fing an, mein Herz auszuschütten ... Als ich die letzte meiner bitteren, unbeantwortbaren Fragen hingekritzelt hatte und den Stift schon beiseite legen wollte, verharrte die Hand zu meiner Überraschung weiterhin in schwebender Haltung über dem Papier - so, als würde sie von einer unsichtbaren Kraft festgehalten.Plötzlich bewegte sich der Stift ganz von selbst. Ich hatte keine Ahnung, was ich schreiben würde, doch schien ein Gedanke in mir aufzukommen, und ich beschloss, der Sache ihren Lauf zu lassen."
So beginnt ein faszinierender Dialog, der durch große Lebendigkeit und eine ganz außergewöhnliche Klarheit und Konsequenz der Gedankenführung geprägt ist. Der Dialog ist so überzeugend für alle, die die nur scheinbar schwierigen Gedankengänge über Schöpfung und Sinn des Lebens nachvollziehen wollen und können, dass ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen kann. Es ist auf jeden Fall wichtiger als meine Webseite und als alles, was sich Menschen zu diesen Themen ausgedacht haben und ausdenken werden.

Diktate

Auch Jakob Lorber, 1800-1864, ist ein besonderes mediales Phänomen. Am 15. März 1840 hörte er eines Morgens tief erschrocken wie im Herzen deutlich: „Nimm deinen Griffel und schreibe!“ Lorber lehnte daraufhin ein für ihn wichtiges Angebot, am Theater in Triest zu arbeiten, ab, verzichtete auch endgültig darauf, sich zu verheiraten, und führte ab da ein völlig zurückgezogenes Leben. Er lebte von Klavierstunden in einem dürftig möbliertem Zimmer. Jeden Tag saß Lorber stundenlang am Tisch und schrieb auf, was ihm die Stimme diktierte. Die Manuskripte weisen keinerlei Korrekturen oder Überarbeitungen auf, und bei der Veröffentlichung nach seinem Tod ergaben sie mehr als 10000 Druckseiten. Lorbers Freund Ritter von Leitner schrieb: „Das Gesicht ruhig und lauschend, niemals sich besinnend, niemals stockend führte er die Feder über das Papier. So entstanden in 24 Jahren 25 Bände zu je etwa 500 Seiten, plus kleinere Schriften.“.

Einen ähnlichen, aber viel harmloseren Fall lernte ich in einem Seminar kennen. Eine Frau erzählte ganz nebenbei während einer Diskussion, daß sie vor einiger Zeit ebenfalls plötzlich solch eine innere Stimme vernommen habe. Sie erschien völlig normal und vernünftig, und sie berichtete ebenfalls, daß sie beim ersten Mal zutiefst erschrocken war. Es dauerte lange, sagte sie, bis sie zu dieser Stimme Vertrauen fasste. Das nebenstehende Bild zeigt Hildegard von Bingen, wie sie die Gedanken zu ihren Schriften durch höhere Eingebung empfängt. Ein weiteres schönes Bild veranschaulicht, wie Johannes die Apokalypse des Neuen Testaments vom Heiligen Geist empfängt.

Jakob Böhme sträubte sich sogar 12 Jahre gegen den inneren Zwang, dann begann er mit ungelenken Fingern zu schreiben, was ihm der Geist diktierte: „Denn so ich schreibe, diktiert mir's der Geist in großer wunderlicher Erkenntnis, daß ich oft nicht weiß, ob ich nach meinem Geiste in dieser Welt bin, und mich des hoch erfreue.“ Dabei hat er „auch keine Zeit gehabt zu bedenken nach dem rechten Verstand des Buchstabens, sondern alles nach dem Geiste gerichtet, welcher öfters ist in Eil gegangen, daß dem Schreiber die Hände wegen der Ungewohntheit gezittert. Und ob ich wohl könnte etwas zierlicher und verständiger schreiben, so ist dies die Ursache, daß das brennende Feuer öfters zu geschwinde treibet; dem muß die Hand und Feder nacheilen, denn es gehet wie ein Platzregen: was es trifft, das trifft es.“ (zitiert nach W. Nigg, Lit. 33)

Bei Tieftrancemedien, Auditionen und Schreibzwang sind Kants Bedenken, daß man schwer unterscheiden könne „was immaterielle Realität ist und was nur ein Hirngespinst“, nicht mehr schwerwiegend und grundsätzlich. Subjektive Eigenheiten der Medien sind weder im Stil noch in Wortwahl, Gedankenführung oder Schrift bei Schreibmedien zu erkennen. Im Gegenteil: Die Eigenheiten sind eindeutig durch das im Hintergrund agierende Geistwesen gegeben und völlig unterschiedlich zum Medium. Auch Schizophrenie ist hinsichtlich der Bildung und der Klarheit von Gedankenführung und Ausdruck bei allen oben genannten Phänomenen als Erklärung wenig hilfreich. Zur Übersicht dienen die in "Kritische Argumente" aufgeführten Tabellen.

Hinweise oder Kritik bitte hier.

zur Startseite