Was tun?
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Als Antwort möchte ich vier Möglichkeiten der Lebensgestaltung kurz ansprechen: Das Moralgebot des Humanismus, die Gebote der Religionen, das Ideal des Erwachens, und die Praxis der göttlichen Liebe. Am Ende seiner Schrift „Träumereien eines Geistersehers“ schreibt Kant: „Allgemein führen wir noch an, dass es ganz und gar nicht hier unserer Bestimmung gemäß ist, uns um die zukünftige Welt viel zu kümmern, sondern wir müssen den Kreis, zu dem wir bestimmt sind, vollenden und abwarten, wie es in Ansehung der künftigen Welt sein wird. Die Hauptsache ist, daß wir uns auf diesem Posten rechtschaffen und sittlich gut verhalten, und uns des zukünftigen Glücks würdig zu machen versuchen.“
Das sind schöne Gedanken, denen jeder gerne zustimmen mag. Unter „rechtschaffen und sittlich“ versteht Kant natürlich den bekannten kategorischen Imperativ: „Verhalte dich so, dass die Maxime deines Handelns jederzeit als Grundlage für eine allgemeine Gesetzgebung dienen können.“
Im übrigen: Stimmt es wirklich, daß es „ganz und gar nicht hier unserer Bestimmung gemäß ist, uns um die zukünftige Welt viel zu kümmern“? Der Gedanke hat Vorteile: er liegt nahe, ist einfach und bequem. Wenn das aber richtig wäre, dann würde sich die andere Welt gewiss nicht die Mühe machen, uns über Medien wir Lorber, Greber/Zimmermann, Wittek, Walsch uvam. über Sinn und Ziel des Lebens zu informieren. Auch die Buddhisten und rudimentär die Katholiken meinen, daß es gut sei, wenn wir spätestens im Sterben wissen, wohin die Reise geht und was uns erwarten kann. Dagegen erscheint mir unsere Sterbekultur seit dem Verschwinden tiefempfundener Frömmigkeit sehr oberflächlich und nichtssagend geworden zu sein. Wir reisen ja auch sonst nicht einfach ins Blaue, sondern planen unsere Reisen. Auch Kant würde das tun. Und was bei kleinen Reisen sinnvoll ist, sollte das bei großen Reisen wie dem Sterben nicht noch vernünftiger sein? Dass wir uns gemäß dem humanistischen Ideal „rechtschaffen und sittlich gut“ verhalten und den Nächsten so lieben sollen wie uns selbst, das hat das hochgebildete Europa nicht vor 100 Millionen Toten im 20.ten Jahrhundert bewahrt. Gebote funktionieren nicht, weil existenzielle Grundangst, familiäre und andere Verantwortungen, das Fehlen ausreichender Liebe und Anerkennung und andere Nöte uns immer wieder zu den abenteuerlichsten Egoismen verleiten. Also müssen wir in diesem Punkt ansetzen, genau da, wo wir uns schwach fühlen und durch Egoismus kompensieren wollen. In allen Religionen stehen im Vordergrund mehr oder weniger klare Gebote und gewisse theologische Vorstellungen, die man glauben muss. Konnte und kann diese traditionelle Religiösität das Leiden, die Lieblosigkeit, die Ursache des Bösen, mit all seinen entsetzlichen Folgen wirklich mindern? Die historischen Fakten sprechen bis heute dagegen. In allen Religionen! Nur der Buddhismus ist eine Ausnahme, da er fortwährende Selbsterkenntnis pflegt. Hauptgründe für das Versagen der Religionen sind amtskirchliche Politik, intellektuelle und dogmatische Theologie sowie das professionelle Priestertum mit all seinen menschlichen Problemen. Nur sehr, sehr wenige Priester leben vorbildhaft. Bedingungslose und unpersönliche Liebe und Hingabe sind nur dort anzutreffen, wo tiefe und demütige Frömmigkeit herrscht. Solange Priester Menschen sind wie alle anderen, und solange sie die gesetzmäßigen Zusammenhänge der Schöpfung nicht kennen (s. "Schöpfung", "Sündenfall", "Erlösung"), können sie keinen geistigen Fortschritt erzeugen. Der Indologe Glasenapp faßt in seiner Shankara-Biografie (Lit. 25) die indische Lehre so zusammen: „Die beiden Quellen des Leidens sind die falsche Identifizierung mit dem Körper und mit Besitz.“. Das bestätigen die Erwachten aus ihrer persönlichen Erfahrung (s. "Erwachte"). Weiter schreibt Glasenapp: „Die Erlösung besteht in der Erkenntnis der seit jeher vorhandenen, aber verhüllten Identität der Einzelseele mit dem Brahma (Gott).“ Dies meint eine höhere, die mystische Stufe des Erwachens, die in der unio mystica, der mystischen Hochzeit erfahrbar wird (Meister Eckart, Johannes vom Kreuz uvam.). Es gibt also wohl Veränderungen des Bewusstseins, die tiefer greifen als philosophische Forderungen oder religiöse Gebote. Wir könnten diese Bewusstseinsveränderung kurzzeitig mit Drogen wie LSD herbeiführen. Hierüber gibt es ausreichende Erfahrungen bei LSD-Forschern (s. "Drogen"). Aber das ist nur sinnvoll für kontrollierte Experimente.
Eine Schwierigkeit dieses "Rückgängigmachens" besteht nach Glasenapp darin: „Das Erwachen hängt aber nicht ab vom Tun des Menschen, sondern von der Gnade Gottes (das ist O-Ton Martin Luther!). Die Mittel zur Erlangung der Gnade sind
Zu allen drei Mitteln gehören Rituale, z.B. Maharaj: „1. Gewöhnen Sie sich an, in der passiven Form zu denken. Statt 'ich sehe oder höre etwas' besser: 'es wird etwas gesehen oder gehört'. Im Laufe der Zeit wird dadurch das Ego, das Schein-Ich, immer mehr in den Hintergrund rücken. 2. Ehe Sie abends zu Bett gehen und nachdem Sie morgens aufstehen nehmen Sie sich etwas Zeit, sitzen Sie entspannt und vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie nicht ein Körper-Geist-Wesen sind, sondern dass Sie das lebenspendende Bewusstsein, eine Seele sind, so dass diese Idee sich immer mehr verfestigt.“
Kann das nicht jeder ernsthaft Nachdenkliche unterschreiben? Atheisten, Humanisten, Positivdenker, westliche und östliche Religionen? Die Philosophin Susan Nieman verwendet für diese Liebe das sperrig-nüchterne Wort 'Internationalismus', andere sprechen von Globalismus oder von erweitertem Bewusstsein. Für weitere sehr praktische Ratschläge dieser Art hat das Buch „Eine neue Erde“ des Erwachten Eckart Tolle eine gewisse Berühmtheit erlangt. Maharaj ist wirklich nicht mein Guru, aber er hat zweifelsohne Recht, wenn er betont, dass ohne vertiefende Rituale diese Werte oberflächlich bleiben und ständig gefährdet sind. Sollten wir also alle erwachen? Müssen wir täglich meditieren?
Die Entwicklung des Bewusstseins In diesem Zusammenhang ist der viel diskutierte Maya-Kalender interessant. Er bietet eine Sicht der Entwicklungsgeschichte von Welt und Leben bis heute, die sich auf das Werden und Wachsen des Bewusstseins über neun Stufen hinweg konzentriert (Lit. 33,34). Einzelne Aspekte dieser Darstellung sind faszinierend, und insbesondere wird deutlich, daß die Globalisierung nicht nur ein mehr oder weniger zufälliger Prozess zu sein scheint. Die Globalisierung ist eher ein Gesamtphänomen, das sich aus den Entwicklungslinien der Vergangenheit heraus fast zwangsläufig und vorhersehbar ergibt. Dabei geht es nicht nur um die Entgrenzung der Wirtschaft. Auch die Wissenschaft ist ein globales Netzwerk geworden, kulturelle Einrichtungen und Events sind weltweit aktiv, Regierungen und Nationen verlieren zunehmend ihre Eigenständigkeit, ob sie wollen oder nicht, ebenso die beschränkten Heilsversprechungen der Religionen, und das Internet ermöglicht es Millionen von Einzelnen, sich an dieser in jeder Hinsicht entgrenzenden Globalisierung individuell zu beteiligen. Damit verbunden ist ein Gewinn an Freiheit und neuen Chancen, aber auch ein Verlust an äußeren Sicherheiten. Psychologisch gesehen geht es dabei um eine Erweiterung unseres Bewusstseins: Wir denken, fühlen, empfinden und handeln bereits zunehmend global, und so ist es nur konsequent, dass auch unser Hirn und unser Bewusstsein sich auf diese Erweiterung einstellen müssen. Dies zeigt ua. die wachsende Zahl der Erwachten oder der diese Entwicklung beschleunigende Deeksha-Prozess von Sri Bhagavan. Der Biologe Johan Calleman schreibt hierzu: „Erleuchtet zu werden ist nicht länger mehr eine private Angelegenheit, sondern Erleuchtung ist ein Mittel, den göttlichen Plan (nämlich die Entwicklung des Bewusstseins hin zu einem universellen und unpersönlichen Bewusstsein) zu erfüllen, und dies geschieht zum Nutzen für den Rest der Menschheit.“ (Lit. 34) Auch die Offenbarung Christi an Gabriele Wittek (s. "Christus") beschreibt das Erwachen als einen wichtigen geistigen Fortschritt. Die Umkehrung des Sündenfalls bedeutet, mit Schöpfung und Schöpfer bewusst und in uneigennütziger Liebe zusammenzuleben. Dies entwickelt sich in vielen kleinen Schritten negativ dadurch, dass man sich zurücknimmt, sich als ein winziges Teilchen des umfassendes Lebens, des Kosmos und der gesamten Schöpfung fühlt, sich nicht abgrenzt, nicht aufbegehrt, nicht mehr haben möchte als man braucht, und positiv dadurch, dass man sich durch zeitgenössische Offenbarungen und geistig-rituelles Training immer mehr als Teil eines alles umfassenden Ganzen, als gottesebenbildliche Seele fühlt. Kern aller mystischen Wege ist die wachsende Gewissheit, dass ich als geistiges Wesen nicht von dieser Welt bin, und dass ich als solches eine göttliche Natur habe. In diesem Wissen ergänzen sich östliche und westliche Religion, sowie die Neuoffenbarungen über Schöpfung, Sündenfall und Erlösung. Müssen wir also alles tun, um zu erwachen?
Keineswegs, denn Lit. 7,9,48,51,53,55 zeigen in aller Klarheit, dass die Aufgabe irdischen Lebens darin besteht, die Grundpolaritäten von bedingungsloser seelischer Liebe und biologischer Existenzangst im eigenen Verhalten sowie im Verhalten der Anderen zu erfahren und nicht: sie zu fliehen. Manche (die sog. alten und reifen Seelen) spüren, dass sie zu einer besonderen spirituellen Gestaltung ihres Lebens gedrängt werden. Andere (die jungen Seelen) spüren solchen Ruf nicht, denn sie wollen und sollen sich erst ganz im Irdischen verankern. Bei allen geht es i.w. um die Erfahrung von Liebe und Lieblosigkeit. Beides muss aktiv und passiv gelebt, erfahren und bearbeitet werden, und deshalb ist beides gut. Denn hierin liegt der "Sinn des Lebens" - und nicht im ängstlichen oder egoistischen Streben zur frühestmöglichen Rückkehr ins Paradies. Der Psychiater und geistige Heiler Nicholas C. Demetry kann das viel besser ausdrücken als ich: In unserer Wanderschaft durch das Leben begegnen wir den verborgenen Lektionen der Liebe. Sie stärken unsere innere Gesundheit und unser Wohlbefinden - spirituell, geistig, emotional und körperlich."
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