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Inhalt:
Kant - Moral
Religionen
Erwachen
Evolution d. Bewusstseins
Göttliche Liebe

Wir orientieren unser Verhalten generell an einem Größeren, uns Umgreifenden.
Das Größere kann vieles sein: Familie, Volk, Nation, Kultur, Natur, die Materie,
die geistige Welt, Gott, oder alles zusammen.
Welches Verhalten ergibt sich aus dem Wissen um oder dem Glauben an unsere
eigenständige, göttliche Seele?

Als Antwort möchte ich vier Möglichkeiten der Lebensgestaltung kurz ansprechen: Das Moralgebot von Kant, die Gebote der Religionen, das Ideal des Erwachens, und die Praxis der göttlichen Liebe. Um es gleich vorweg zu sagen: Im Kontext der voranstehenden Kapitel sind die drei Bände "Gespräche mit Gott" von N. D. Walsch (Lit. 48) das Klarste, Befreiendste und Schönste zu diesem Thema, das ich kenne (s. den letzten Abschnitt "Göttliche Liebe").
Nun aber zunächst zu Kant bzw. zur humanistischen Ethik.

Kant und die Moral

Am Ende seiner Schrift „Träumereien eines Geistersehers“ schreibt Kant: „Allgemein führen wir noch an, dass es ganz und gar nicht hier unserer Bestimmung gemäß ist, uns um die zukünftige Welt viel zu kümmern, sondern wir müssen den Kreis, zu dem wir bestimmt sind, vollenden und abwarten, wie es in Ansehung der künftigen Welt sein wird. Die Hauptsache ist, daß wir uns auf diesem Posten rechtschaffen und sittlich gut verhalten, und uns des zukünftigen Glücks würdig zu machen versuchen.“
„Den Wissbegierigen kann man den einfältigen, aber sehr natürlichen Bescheid geben, daß es wohl am ratsamsten sei, wenn sie sich zu gedulden beliebten, bis sie werden dahinterkommen. Da aber unser Schicksal in der künftigen Welt vermutlich sehr darauf ankommen mag, wie wir unseren Posten in der gegenwärtigen verwaltet haben, so schließe ich mit demjenigen, was Voltaire seinen ehrlichen Candide zum Beschlusse sagen lässt: Lasst uns unser Glück besorgen, in den Garten gehen und arbeiten.“

Unter „rechtschaffen und sittlich“ versteht Kant den bekannten kategorischen Imperativ: „Verhalte dich so, dass die Maxime deines Handelns jederzeit als Grundlage für eine allgemeine Gesetzgebung dienen können.“
Kant sagt nicht: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu. Diese Regel lernen wir bereits im Kindergarten. Kant geht tiefer und betont, dass auch unsere Maxime, also die innersten Motive unseres Handelns, die begleitenden Gedanken und Empfindungen, rechtschaffen und sittlich sein sollen, nicht nur die oft heuchlerische Oberfläche unseres Tuns. Das zu erkennen und daran zu arbeiten ist außerordentlich schwierig, es verlangt ein hohes Maß an fortwährender Selbstkritik. Wenn dies nur aus Gutmenschentum getan wird, wird dieser Idealismus schnell in Frage gestellt, denn in der Tiefe lauert immer die Existenzangst des Ego (s. "Erwachen"). Das ist das generelle Problem aller Imperative oder Gebote: Niemand kann auf Befehl zutiefst innerlich gut sein oder die Nächsten oder gar Fernsten lieben. Das klappt nur, wenn diese Forderung in einen höheren Sinn, in eine zutiefst verstandene höhere Erkenntnis eingebettet ist. Diese Erkenntnis haben Kant und seine humanistischen Nachfolger bis heute nicht ermöglicht, auch moderne Lebensphilosophen wie Rorty oder Dewey nicht, und mit innerlich überzeugter, unpersönlicher und bedingungsloser Nächstenliebe - was der Kant'schen Maxime entsprechen würde - haben leider auch Theologen und Gläubige aller Religionen bis heute Schwierigkeiten.

Im übrigen: Stimmt es wirklich, daß es „ganz und gar nicht hier unserer Bestimmung gemäß ist, uns um die zukünftige Welt viel zu kümmern“? Viele, vielleicht die meisten denken so. Wenn das aber richtig wäre, dann würde sich die andere Welt gewiss nicht die Mühe machen, uns über Medien wir Lorber, Greber/Zimmermann, Wittek, Walsch uvam. über Sinn und Ziel des Lebens zu informieren. Auch die Buddhisten und rudimentär die Katholiken meinen, daß es gut sei, wenn wir spätestens im Sterben wissen, wohin die Reise geht und was uns erwarten kann. Dagegen erscheint mir unsere Sterbekultur seit dem Verschwinden tiefempfundener Frömmigkeit sehr oberflächlich und nichtssagend geworden zu sein. Wir reisen ja auch sonst nicht einfach ins Blaue, sondern planen unsere Reisen. Auch Kant würde das tun. Und was bei kleinen Reisen sinnvoll ist, sollte das bei großen Reisen wie dem Sterben nicht noch vernünftiger sein?

Dass wir uns gemäß dem humanistischen Ideal „rechtschaffen und sittlich gut“ verhalten und den Nächsten so lieben sollen wie uns selbst, das hat das hochgebildete Europa nicht vor 100 Millionen Toten im 20.ten Jahrhundert bewahrt. Gebote funktionieren nicht, weil existenzielle Grundangst, familiäre und andere Verantwortungen, das Fehlen ausreichender Liebe und Anerkennung und andere Nöte uns je nach unseren Fähigkeiten und Mitteln zu den abenteuerlichsten Egoismen verleiten. Also müssen wir in diesem Punkt ansetzen, genau da, wo wir uns schwach fühlen und durch Egoismus kompensieren wollen.

Die Tradition der Religionen

In allen Religionen stehen im Vordergrund mehr oder weniger klare Gebote und gewisse theologische Vorstellungen, die man glauben muss. Konnte und kann diese traditionelle Religiösität das Leiden, die Lieblosigkeit, die Ursache des Bösen, mit all seinen entsetzlichen Folgen wirklich mindern? Die historischen Fakten sprechen bis heute dagegen. In allen Religionen! Der Buddhismus ist eine Ausnahme, er pflegt fortwährende Selbsterkenntnis auf Grund einer kategorischen und komplizierten Philosophie. Hauptgründe für das Versagen der Religionen sind dogmatische Theologien, amtskirchliche Politik und das professionelle Priestertum mit all seinen menschlichen Problemen. Nur sehr, sehr wenige Priester leben wirklich das, was sie predigen. Bedingungslose und unpersönliche Liebe und Hingabe sind nur selten anzutreffen, und sie werden auch nur selten angestrebt. Solange Priester Menschen sind wie alle anderen, und solange sie die gesetzmäßigen Zusammenhänge der Schöpfung nicht kennen (weil dies vor 2000 Jahren noch nicht mitteilbar war), können sie keinen geistigen Fortschritt erzeugen.

Das Ideal des Erwachens

Der Indologe Glasenapp faßt in seiner Shankara-Biografie (Lit. 25) die indische Lehre so zusammen: „Die beiden Quellen des Leidens sind die falsche Identifizierung mit dem Körper und mit Besitz.“. Das bestätigen die Erwachten aus ihrer persönlichen Erfahrung (s. "Erwachte"). Weiter schreibt Glasenapp: „Die Erlösung besteht in der Erkenntnis der seit jeher vorhandenen, aber verhüllten Identität der Einzelseele mit dem Brahma (Gott).“ Dies meint eine höhere, die mystische Stufe des Erwachens, die in unserer Kultur als unio mystica, als mystische Hochzeit bekannt ist (Meister Eckart, Johannes vom Kreuz uvam.). Es gibt also wohl Wege der Bewusstseinsveränderung, die tiefer greifen als philosophische oder religiöse Gebote.

Wir könnten diese Bewusstseinsveränderung kurzzeitig mit Drogen wie LSD herbeiführen. Hierüber gibt es ausreichende Erfahrungen bei LSD-Forschern (s. "Drogen"). Aber das ist nur sinnvoll für kontrollierte Experimente.
Für die intellektuelle Erkenntnis gibt der Erwachte Nisargadatta Maharaj einen Tipp: „Erst wer den Sündenfall wirklich verstanden hat, kann beginnen, ihn rückgängig zu machen“. Dies passt zu einer Aussage Christi: „wir sollen wieder so sein, wie Gott uns geschaffen hat“.
Ich finde diesen schlichten und einfachen Gedanken ungemein überzeugend.
Der Sündenfall aus Sicht des Ostens ist die von Glasenapp angedeutete „falsche Identifizierung mit dem Körper und Besitz“ (s. "Erwachte"-"Botschaft"), der Sündenfall aus der Sicht Gottes und Christi ist unsere (geplante!) Abkehr von unserer Urfähigkeit der bedingungslosen göttlichen Liebe. Beide Sichtweisen ergänzen sich. Nun ist intellektuelle Erkenntnis zwar notwendig, aber sie allein genügt nicht für eine tiefe Neuorientierung des Lebens.

Eine Schwierigkeit dieses "Rückgängigmachens" besteht nach Glasenapp darin: „Das Erwachen hängt aber nicht ab vom Tun des Menschen, sondern von der Gnade Gottes (das ist O-Ton Martin Luther!). Ein Mittel zur Erlangung der Gnade ist Bhakti (Frömmigkeit), die gläubige und liebevolle Ergebenheit gegen den Weltenherrn. Ein anderes Mittel ist Jnana, das richtige Wissen (Bildung durch Wortoffenbarungen). Ein drittes Mittel sind gute Werke (sie schwächen die Identifikation mit Besitz und damit das Ego).“

Zu allen drei Mitteln gehören Rituale, z.B. Maharaj: „1. Gewöhnen Sie sich an, in der passiven Form zu denken. Statt 'ich sehe oder höre etwas' besser 'es wird etwas gesehen oder gehört'. Im Laufe der Zeit wird dadurch das Ego, das Schein-Ich, immer mehr in den Hintergrund rücken. 2. Ehe Sie abends zu Bett gehen und nachdem Sie morgens aufstehen nehmen Sie sich etwas Zeit, sitzen Sie entspannt und vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie nicht ein Körper-Geist-Wesen sind, sondern dass Sie das lebenspendende Bewusstsein, eine Seele sind, so dass diese Idee sich immer mehr verfestigt.“
Oder: „Wie kann man nur fordern 'Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben'? Oder 'du sollst deinen Nächsten lieben'? Erst wenn Sie bei der tiefsten Überzeugung angelangt sind, dass es das gleiche Leben ist, das alles durchströmt und dass Sie dieses Leben auch sind, erst dann können Sie überhaupt lieben, und dann fangen Sie an, alles natürlich und spontan zu lieben.“
Kann das nicht jeder ernsthaft Nachdenkliche unterschreiben? Atheisten, Humanisten, Positivdenker, westliche und östliche Religionen? Für weitere sehr praktische Ratschläge dieser Art hat das Buch „Eine neue Erde“ des Erwachten Eckart Tolle eine gewisse Berühmtheit erlangt.

Sollten wir also alle erwachen? Müssen wir täglich meditieren?
Das ethische Grundproblem ist die biologische Angst des Gedanken-Ichs, des Ego. Dagegen hilft nur ein sehr starkes Bewusstsein im Sinne von Maharaj. Insofern erscheint das erwachende Bewusstsein, oder zumindest das Streben danach, als ein notwendiger Evolutionsschritt von Hirn, Geist und Kultur, der heute nötiger ist als je zuvor.
Aber erst das Erwachen befreit uns von der Angst. Sollen wir also alle erwachen?

Die Entwicklung des Bewusstseins

In diesem Zusammenhang ist der viel diskutierte Maya-Kalender interessant. Er bietet eine Sicht der Entwicklungsgeschichte von Welt und Leben bis heute, die sich auf das Werden und Wachsen des Bewusstseins über neun Stufen hinweg konzentriert (Lit. 33,34). Einzelne Aspekte dieser Darstellung sind faszinierend, und insbesondere wird deutlich, daß die Globalisierung nicht nur ein mehr oder weniger zufälliger Prozess ist. Die Globalisierung erscheint als ein Gesamtphänomen, das sich aus den Entwicklungslinien der Vergangenheit heraus fast zwangsläufig ergibt. Dabei geht es nicht nur um die Entgrenzung der Wirtschaft. Auch die Wissenschaft ist ein globales Netzwerk geworden, kulturelle Einrichtungen und Events sind weltweit aktiv, Regierungen und Nationen verlieren zunehmend ihre Eigenständigkeit, ob sie wollen oder nicht, ebenso die beschränkten Heilsversprechungen der Religionen, und das Internet ermöglicht es Millionen von Einzelnen, sich an dieser in jeder Hinsicht entgrenzenden Globalisierung individuell zu beteiligen. Damit verbunden ist ein Gewinn an Freiheit und neuen Chancen, aber auch ein Verlust an äußeren Sicherheiten.

Psychologisch gesehen geht es dabei um eine Erweiterung unseres Bewusstseins: Wir denken, fühlen, empfinden und handeln bereits zunehmend global, und so ist es nur konsequent, dass auch unser Hirn und unser Bewusstsein sich auf diese Erweiterung einstellen müssen. Dies zeigt ua. die wachsende Zahl der Erwachten und der diese Entwicklung beschleunigende Deeksha-Prozess von Sri Bhagavan (s. Startseite-"Opitz: ..."). Der Biologe Johan Calleman schreibt hierzu: „Erleuchtet zu werden ist nicht länger mehr eine private Angelegenheit, sondern Erleuchtung ist ein Mittel, den göttlichen Plan (nämlich die Entwicklung des Bewusstseins hin zu einem universellen und unpersönlichen Bewusstsein) zu erfüllen, und dies geschieht zum Nutzen für den Rest der Menschheit.“ (Lit. 34)

Praxis der göttlichen Liebe

Auch die Offenbarung Christi an Gabriele Wittek (s. Startseite-"Christus") beschreibt das Erwachen als einen wichtigen geistigen Fortschritt. Die Umkehrung des Sündenfalls bedeutet, mit Schöpfung und Schöpfer bewusst und in uneigennütziger Liebe zusammenzuleben. Dies entwickelt sich in vielen kleinen Schritten negativ dadurch, dass man sich zurücknimmt, sich als ein winziges Teilchen des umfassendes Lebens, des Kosmos und der gesamten Schöpfung fühlt, sich nicht abgrenzt, nicht aufbegehrt, nicht mehr haben möchte als man braucht, und positiv dadurch, dass man sich durch mediale Information geistiges Training immer mehr als Gottes Ebenbild und Kind Gottes, d.h. als Seele fühlt.

Kern aller mystischen Wege ist die wachsende Gewissheit, dass ich als geistiges Wesen nicht von dieser Welt bin, und dass ich als solches eine göttliche Natur habe. In diesem Wissen ergänzen sich östliche und westliche Religion, sowie die Neuoffenbarungen über Schöpfung, Sündenfall und Erlösung (s. die entspr. Kapitel). Eine wichtige Hilfestellung auf diesem Erkenntnisweg ist eine Sammlung von Betrachtungen, Meditationen und Übungen unter dem Titel „Der innere Weg“ (Lit. 16 - die Sekte 'Universelles Leben', die dieses Buch herausgibt, und vor der ich dringend warne, hat mit dem Inhalt dieses Buches nichts zu tun). Die Anregungen, die „Der innere Weg“ für die Gestaltung des Alltags gibt, finde ich organischer und im Hinblick auf das Ganze stimmiger als alle meditativen Konzepte, die ich bislang kennengelernt habe, und auch stimmiger als den Wunsch, sich durch ein möglichst schnell angestrebtes Erwachen, z.B. durch einen überteuerten Deeksha-Kurs in Indien, aus dem für uns vorgesehenen Normalleben quasi per Schleudersitz ausklinken zu wollen.

Eine andere, vielleicht noch wichtigere Neuoffenbarung, die "Gespräche mit Gott" (Walsch, Lit. 48), zeigt in überzeugender Klarheit, wie sich alle unsere Probleme dadurch lösen lassen, dass wir die lange vergessenen 'fünf Eigenschaften Gottes' in uns wieder lebendig werden lassen: Freude, Liebe, Akzeptanz, Segnung und Dankbarkeit. Die in diesen Gesprächen vermittelte göttliche Sicht von Sinn und Ziel des Lebens, sowie die überraschend klaren und präzisen Ausführungen zu Themen wie Erziehung, Schule, Sex, Beziehungen, Leid, Politik uvam. wirken ungemein befreiend und motivierend. Wer sich auf diese Gedanken einläßt - und wer könnte den zwingenden Gedankengängen widersprechen? - dessen Leben wird fast automatisch freudiger, schöner, angenehmer, kurz: lebenswerter.

Müssen wir also alles tun, um zu erwachen?
Hat der, der nicht täglich meditiert, den Sinn seines Lebens verfehlt?

Keineswegs, denn Walsch und Hasselmann (Lit. 53,55) zeigen in aller Klarheit, dass die Aufgabe irdischen Lebens darin besteht, die Grundpolaritäten von bedingungsloser seelischer Liebe und biologischer Existenzangst im eigenen Verhalten sowie im Verhalten der Anderen zu erfahren und nicht: sie zu überwinden. Manche (nach Hasselmann sind es die alten und reifen Seelen) spüren sehr genau, dass sie zu einer spirituellen Gestaltung ihres Lebens gedrängt werden. Andere (die jungen Seelen) spüren solchen Ruf nicht, denn sie wollen sich erst ganz im Irdischen verankern. Bei allen geht es i.w. um die Erfahrung von Liebe und Lieblosigkeit. Beides muss gelebt und erfahren werden, und deshalb ist beides gut. Denn hierin liegt der "Sinn des Lebens" - und nicht im Streben nach der Vervollkommnung zum Gutmenschen oder Erwachten mit späterer Belohnung oder Bestrafung.

Hinweise oder Kritik bitte hier.

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