Bewusstsein aus Sicht der Philosophie.
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zum Autor zur Literatur zu Drucktexten Inhalt: Bewusstes Ich Bewusste Wahrnehmung Bewusstes Wollen Lokalisierung Meditation |
Definitionen Für die Philosophen Hume, Mach, Wittgenstein ua. ist Ich nicht erfahrbar wie alles Andere. Folgerung: Das Ich gibt es nicht. Ich ist nur ein alter Mythos. Da ich mich aber als "Ich zwischen zwei Gedanken" (s.u. "Meditation") sehr wohl als geistiges Individuum empfinde, kann man auch folgern: Ich bin anders als alles Andere, also bin ich nicht von dieser Welt. Nach Wikipedia gehören zum Bewusstsein drei Elemente: 1. bewusstes Ich, d.h. die sich ihrer selbst bewusste Individualität, 2. bewusste Wahrnehmung und 3. bewusster Wille, egal ob frei oder nicht. Wikipedia sagt hierzu: „Das Phänomen des Bewusstseins gilt als eines der größten ungelösten Probleme von Philosophie und Naturwissenschaft.“ Damit stellt Wikipedia die naive Glaubensaussage, dass das nur biologische Prozesse seien, zumindest in Frage. 1. Bewusstes Ich
Bin Ich mein Körper, bin ich mein Denken, oder was? Die Amputation zweier Beine schmälern zwar meine Beweglichkeit, nicht jedoch mein Ich-Empfinden. Descartes reduzierte noch weiter und meinte (Zitat): „... dass mein Wesen auch allein im Denken besteht, cogito ergo sum.“ Das ist der berühmte Descartsche Dualismus: Körper und Geist, wobei Descartes Geist, Denken und Ich als eine Einheit unabhängig vom Körper sieht. Das ist eindeutig falsch. Denken braucht Sprache, und Sprache ist eine Hirnfunktion, also auch Körper und kein Dualismus. Aber vielleicht gibt es auch Ich ohne Denken ... Denken ist ein Automatismus von großer Selbständigkeit, aber es ist immer eine Person, ein Ich, das über dem Denken steht und das Denken - und Emotionen - kontrollieren kann. ICH bin in meiner Selbsterfahrung ganz eindeutig eine dem Denken übergeordnete Instanz, die Gedanken akzeptieren, verwerfen, ändern oder - in der Meditation - ganz abschalten kann. Gerade dann, wenn ich nicht denken will, will ich das als Ich. Oder, wie Chopra sagt: „Ich - die Seele - bin der ruhige Raum zwischen zwei Gedanken.“ Als Beobachter kann ich über mich selbst keine Aussage mehr machen, ich bin für mich ungreifbar, ich kann mich nicht selbst als Objekt betrachten, ich bin der ICH BIN. Die grundlegende Erfahrungsdualität, die seit Jahrtausenden das philosophische und religiöse Denken durchzieht, weil sie jeder selbst in sich nachvollziehen kann, ist also nicht die von Körper und Denken, sondern von Körper und ICH, genauer: Körper mit Sprachdenken und mit Emotionen einerseits, und andererseits die sich ihrer selbst bewusste Individualität, ICH, das Bewusstsein, der Beobachter und Kontrolleur, der über den Gedanken und Emotionen steht.. 2. Bewusste Wahrnehmung - die Qualia Unbewusste Wahrnehmung kommt fortwährend über die Sinne ins Gehirn. Bewusste Wahrnehmung wird dagegen erst durch Aufmerksamkeit möglich. Es gibt die breite, panoramaartige Aufmerksamkeit, sie ist besonders ausgeprägt bei tiefer Meditation und bei den Erleuchteten. Und es gibt eingeengte, fokussierte Aufmerksamkeit, z.B. wenn unter Hypnose Schmerzempfindungen blockiert sind. Unsere Sinne sind ständig aktiv, doch nur ein Bruchteil wird wahrgenommen. Wahrnehmungen an sich führt also noch nicht zur Bewusstheit, sondern nur die Wahrnehmung, die ich bewusst zulasse, auf die ich meine Aufmerksamkeit richte. Ich (das bewusste Ich), will (der bewusste Wille) mich (meine bewusste Wahrnehmung) auf etwas konzentrieren. Das tun wir forwährend. Nur biologische Alarmsignale können das unterbrechen. Wikipedia fragt nach dem biologischen Sinn der bewussten Wahrnehmung (Zitat): „Warum erleben wir überhaupt etwas, wenn bestimmte neuronale Prozesse im Gehirn ablaufen? Warum erleben wir einen Gedanken als Gedanken und die Farbe Rot als rot? [die Frage ist als Qualia-Problem altbekannt; Wikipedia weiter:] Wenn man sich die Finger verbrennt, werden Reize zum Gehirn geleitet, dort verarbeitet und schließlich wird ein Verhalten produziert. Nichts macht es zwingend, dass dabei ein Schmerzerlebnis entsteht.“ Soweit Wikipedia. Biologisch gesehen hat ein Reiz-Reaktionsautomat ohne Bewusstsein die selben Überlebenschancen. Das sieht auch die Neurologie so, nach der Bewusstsein nur eine Halluzination ist. Trotzdem haben wir Bewusstsein - sind wir eine Bewusstheit. Wie und warum? Die Frage bleibt offen. Das bewusste Wollen folgt auf eine Entscheidung. Es ist eine Energie, die sich als Kraft mit beliebigen Inhalten verbinden kann. Bei eigenwilligen Kindern, Pubertierenden oder Alten ist das besonders zu spüren. Wie können wir diese Kraft des „Ich will“ verstehen? Wikipedia bemerkt dazu: „Alle Lösungsvorschläge zur Reduktion des Willens sind mit schweren Einwänden konfrontiert, und so halten viele Philosophen auch Intentionalität - also den bewussten Willen - für nicht naturwissenschaftlich [d.h. chemisch-physikalisch-neuronal] erklärbar.“ Für den neurologischen Materialismus gilt: Wille ist nur eine Art Emotion, die mit bestimmten Gedanken verknüpft wird. Dass wir uns dessen bewusst sind, ist eigentlich nicht nötig. Das Bewusstsein ist eine Illusion, die dem tatsächlichen Geschehen immer hinterher hinkt. Eine Art Echo dessen, was unbewusst im Hirn geschieht. Dagegen ist zu sagen: 1. Widerspricht selbst Prof. Singer dieser radikalen Hypothese, wie wir gleich beim Thema Meditation sehen werden. 2. Ist zu fragen, warum die sonst immer zweckmäßige Evolution eine scheinbar unnötige Hirnfunktion entwickelt. Und 3. ist zu fragen, wo bzw. wie das Bewusstsein im Hirn verankert ist. Dieser Frage ist der kanadische Neurochirurg Penfield zeitlebens nachgegangen. Penfield operierte in 30 Jahren etwa 750 Epilepsie-Patienten.Dabei hat er das offene Gehirn von Patienten vor sich, und die Patienten sind wach, nur örtlich betäubt. Penfield wollte wissen, welche Hirnareale welche Funktion haben und reizte sie mit schwacher, elektrischer Stimulation. Die Patienten berichteten dabei von komplexen Sinneseindrücken in der Art von Träumen oder Halluzinationen. Auch wurden spontane Bewegungen provoziert, Sprache gestört oder Laute erzeugt. Hierzu bemerkte der Parapsychologe Lucadou: „Die Patienten sind dabei immer bei vollem Bewusstsein, haben jedoch nie den Eindruck, etwas bewusst zu tun. Es geschieht mit ihnen.“ Auch der von Neurologen als zentrales Steuerungsorgan propagierte dorsale Frontalkortex erzeugt bei Reizung kein Bewusstsein. Es ist Penfield in tausenden von direkten Hirnreizungen nie gelungen, eine bewusste Aktion zu erzeugen. Penfield selbst schreibt deshalb in seinen Erinnerungen: "Auf die eine oder andere Art ist die Frage nach der Natur des Bewusstseins ein elementares Problem, vielleicht das schwierigste und bedeutendste aller Probleme. Ich habe mein ganzes Leben als Wissenschaftler damit verbracht, zu erforschen, wie das Gehirn das Bewusstsein steuert. Nun muss ich in dieser abschließenden Zusammenfassung meiner Ergebnisse überrascht feststellen, dass die Hypothese des Dualismus die vernünftigere Erklärung ist." - d.h. dass das Bewusstsein keine pyhsikalisch-chemische Hirnfunktion ist. In diesem Sinn fragt auch Wikipedia kritisch: „Könnte bewusste Wahrnehmung ein Nebenprodukt neuronaler Prozesse sein, eine Art Überlagerungsschwingung?“, Prof. Singer stellt sich „synchronisierte dynamische Netzwerkaktivitäten“ vor, „Wohl kaum, denn während tiefen Schlafs, einer Narkose, einigen Arten von Koma und Epilepsie oder der seltenen Seeblindheit sind weite Teile des Hirns aktiv, ohne jedoch von bewussten Zuständen begleitet zu werden. Ebenso scheint die neuronale Aktivität des Kleinhirns nur wenig zum bewussten Erleben beizutragen, obgleich die Anzahl der dort lokalisierten Neurone die des Großhirns noch übersteigt. Weiterhin hat die neurowissenschaftliche Forschung ergeben, dass von den nicht-wahrgenommenen, unbewussten Sehreizen weite Teile des Hirns aktiviert werden. Auch hier stellt sich die Frage, was die zur bewussten Wahrnehmung führende neuronale Erregung von unbewusster Hirnaktivität und Reizverarbeitung unterscheidet.“ Soweit Wikipedia. Wesentlich ausführlicher beschreibt Richard Precht die Unergründbarkeit dieses Geheimnisses in seinem wunderbaren Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ Halten wir fest: Auch Wolf Singer und Gerhard Roth können nicht plausibel machen, welches Hirnteil dynamische Netzwerkaktivitäten wie synchronisieren und dies dann wahrnehmen könnte. Trotzdem wird die monistische Hypothese „kein Geist ohne Hirn“ nicht als Hypothese, sondern als "evidente Tatsache" festgestellt. Dagegen zeigt uns die alltägliche Selbsterfahrung die Gegenhypothese: Ich, eine nicht lokalisierbare und auch funktional nicht fassbare Bewusstheit, kann meinem Hirn sagen, was es zu tun hat. Ich fühle mich frei - nicht immer, aber oft. Der Neurophilosoph Jonathan Lowe nennt dies „interaktiven, wechselwirkenden Dualismus“ und sagte hierzu kürzlich auf einem Symposium: „Wäre dem nicht so, könnten wir nicht willentlich handeln.“ In der Meditation wird das Gefühl des freien Ich besonders deutlich. In einer arte-Dokumentation über Hirnforschung berichtete Dr. Ulrich Ott vom Bender-Institut der Universität Giessen über seine Forschungen mit Meditation. Unser Hirn kennt mehrere Schwingungszustände. Normal ist der Beta-Zustand, in dem das Hirn mit 13-30 Hz schwingt. Je ruhiger und entspannter wir werden, desto langsamer werden die Schwingungen, bis hinunter zu 1-3 Hz im Delta-Zustand. Bei einer guten und tiefen Meditation, sagt Dr. Ott, geschieht merkwürdigerweise genau das Gegenteil: Das Hirn tritt in den Gamma-Zustand ein, es schwingt mit bis zu 500 Hz. Das ist ein Zustand allerhöchster Aufmerksamkeit, in dem sich die Wellen des gesamten Hirns synchronisieren wie in einem Laser. Die Integration der rechten und linken Hirnhälfte wird enorm gesteigert, der Kortex (die Großhirnrinde) wird aktiver und wird vom limbischen System abgeschaltet, wodurch die Wahrnehmung frei von Emotionen und Meinungen wird: Wir nehmen wahr, ohne zu urteilen. Wir können natürlich urteilen, wenn wir wollen; aber es geschieht nicht mehr automatisch und ist vorurteilsfreier. Dr. Ott sagt: „In diesem Zustand entwickelt man ein Bewusstsein des Einsseins mit der Umwelt, man öffnet sich dem Anderen mehr, man hat das Gefühl, ihm direkt ins Herz zu schauen. Es vermittelt sich das Gefühl, den Urgrund der Wirklichkeit zu erfahren.“ Prof. Wolf Singer kommentiert seine eigene Meditationserfahrung so: „Man erlebt in der Meditation, was passiert, wenn einen nichts zwingt zu reagieren. Da stellt sich ein Gefühl des In-der-Welt-Seins ein. Dies entspricht mit Sicherheit getreuer der Persönlichkeit, die man ist, als das, was man erlebt, wenn man ständig reagieren muss.“ Auch für Singer gibt es somit eine Persönlichkeit, die man ist, und eine, die ständig reagiert. Das sind bedeutsame Unterscheidungen: Sein und reagieren. „Man“ erlebt sich als Reagierender. Kann dieses „man“, diese eigentliche Persönlichkeit, aber nur eine Illusion des Hirns sein? Auch für Singer ist durch sein eigenes Erleben die Fage wieder offen: Bin Ich Illusion oder Wirklichkeit? Halten wir diese
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Weitere Gedanken zur Frage, welcher Teil meines Gesamtgeistes oder Gesamtbewusstseins Hirnfunktion und welcher Teil Seelenfunktion ist bzw. sein könnte siehe Startseite-"Was also ist Seele?"
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