Materialismus
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Der Materialismus ist so alt wie das philosophische Nachdenken überhaupt. Der moderne wissenschaftliche Materialismus heute ist keine reine Philosophie mehr, sondern er verallgemeinert wissenschaftliche Experimente. Aus Sicht des wissenschaftliche Materialismus (kurz: WM) haben alle Ereignisse ausschließlich materielle Ursachen. Anders kann es sich der Vertreter des WM nicht vorstellen. Insofern müssen auch alle geistigen Vorgänge materielle Ursachen im Hirn haben. Geist/Bewusstsein sind demnach Funktionen des Hirns. Solch kleine Wörtchen wie „alle“ und „ausschließlich“ sind jedoch nicht empirisch beweisbar. Zudem gibt es eine Vielzahl geistiger Phänomene, die diese Verallgemeinerung in Frage stellen (siehe "Ganzfeldforschung" und "Offenbarungen"), die Evolutionstheorie birgt noch viele offene Fragen, und die Quantenphysik entwickelt seit Bohr und Heisenberg im Rahmen der Quantenmetaphysik ganz andere und hoch interessante Vorstellungen über das Wesen von Bewusstsein und Mutation als der wissenschaftliche Materialismus (s. Startseite "Quantenphysik"). Die obige Verallgemeinerung auf alle und ausschließlich muß man also glauben, und insofern ist trotz seiner offensichtlichen Rationalität der wissenschaftliche Materialismus eine Glaubensrichtung, eine Metaphysik, und keine reine Wissenschaft mehr. Dass diese Welt-Anschauung heute von fast allen rational und wissenschaftlich Denkenden, sogar von Theologen wie Karl Barth, Rudolf Bultmann oder Drewermann, geteilt wird, ändert nichts daran, dass sie eine Metaphysik ist, die man glauben kann oder auch nicht. Es folgen nun jeweils in Kästchen genauere Beschreibungen materialistischer Vorstellungen und danach eine kurze Kritik. Kritik
Kritik
Auch die Philosophie hat Bedenken und sagt: "Kausalität kann nicht objektiv dadurch bewiesen werden, dass man zeitlich zusammenfallende Ereignisse beobachtet" (David Hume). Kausalität wird nur subjektiv erfahrbar in dem Moment, in dem ich mir selbst die Finger verbrenne. Erst durch eine subjektive Erfahrung schließe ich auf ein äußeres Prinzip, dass es auch objektiv so sein müsste. Subjektive Erfahrungen gelten jedoch nicht als wissenschaftlich. Rein pragmatisch kann man natürlich davon ausgehen, dass bestimmte Wirkungen mit großer Sicherheit sich immer wiederholen. Aber die Gewissheit einer Gesetzmäßigkeit bringt erst die subjektive Erfahrung, also der seiner selbst bewusste Geist, der seine Erfahrung dann in Experimente hineinprojiziert. Die Vorstellung, dass Kausalität durch die bekannten Berührungskräfte immer und überall wirkt, diese zutiefst materialistische Vorstellung beruht auf subjektiver Erfahrung. Und sie ist spekulativ bezüglich Bewusstseinsphänomenen und falsch bei Quantensprüngen. Ebenso ist es mit den Gewissheiten einer objektiven Realität aller Dinge, der allgemeinen Gültigkeit der Naturgesetze und meiner eigenen Identität. Auch diese Gewissheiten sind nicht empirisch aus der Natur ableitbar. Sie sind Produkte des Geistes aus subjektiven Erfahrungen, nicht objektiv definierbar und damit auch nicht reduzierbar. Es ist die Erfahrung der Wechselwirkung der Materie mit dem Geist, die keinen Zweifel an den Prinzipien und Gesetzen der äußeren Wirklichkeit lässt. So ist die Materie, mit der der Materialismus den Geist erklären möchte, immer durchtränkt mit subjektiven, geistigen Vorstellungen. Kritik
Experimente: Unter Verzicht auf eine Definition geistiger Funktionen im Sinne der Tabelle in "Offenbarungen" meint die Hirnforschung, sie hätte dadurch, dass bei bestimmten geistigen Aktivitäten, z.B. während tiefer Meditation buddhistischer Mönche, bestimmte Hirnregionen auf eine bestimmte Weise aktiv werden, bereits das Wesen dieser geistigen Prozesse getroffen und erfolgreich auf physikalisch-chemische Prozesse reduziert. Dabei weiß niemand, was in diesen Regionen geschieht, welche Bedeutung es hat und ob es nicht nur ein Nebenprodukt, ein notwendiges neuronales Korrelat ist. Sämtliche Experimente zu Mystik und Neurotheologie erscheinen im Hinblick auf die Tabelle in "Offenbarungen" reichlich naiv [s. "Hirnforschung"]. Halluzinationen: Wikipedia definiert Halluzinationen als „Wahrnehmung ohne (sinnliche) Reizgrundlage“. Hier wird ein möglicher Anlaß für Halluzinationen mit ihrer Definition verwechselt. Demnach sind sämtliche Grenzerfahrungen der Tabelle in "Offenbarungen" Halluzinationen. Da braucht man dann natürlich nicht mehr weiter über meta-physikalisch/übersinnliche Anlässe oder Kausalitäten nachzudenken. Dagegen sagt der Halluzinationsforscher Prof. Erich Kasten, dass “Halluzinationen in erster Linie einen ungeordneten Abruf von im Gedächtnis gespeicherten Informationen darstellen“ [s. hier]. Halluzinationen erklären somit keinesfalls die in dieser Webseite beschriebenen Grenzerfahrungen, und deshalb sind diese Erfahrungen nach Kastens Definition keine Halluzinationen, sondern etwas wesentlich anderes, das es zu erforschen gilt. NTE: Der Hirnforscher Gerhard Roth hatte selbst ein Nahtoderlebnis nach einem schweren Unfall. Er führt sein Tunnelerlebnis und das anschließende Glücksgefühl auf bekannte Photopsien und erhöhte Dopamin- und Serotoninproduktion zurück. Das ist interessant und sicher richtig. Es scheint kaum eine Grenzerfahrung zu geben, die ohne aktive Beteiligung des Hirns abläuft. Roth hatte jedoch keine außerkörperliche Erfahrung und auch nicht die für Nahtoderlebnisse bedeutsamen klaren szenischen Abläufe mit Begegnungen und Kommunikation mit Verstorbenen. Er würde sie wahrscheinlich als Halluzination deuten, obwohl sie nach Kastens obiger Definition keine sein können [s. "Nahtoderfahrung"]. Darwin: Das Grundproblem der Evolutionstheorie, die Blindheit und reine Zufälligkeit der Mutationen, wird kaum noch in Frage gestellt, weil man die Frage selbst bereits absurd findet. Andererseits entstanden in jahrelangen Experimenten mit zigtausenden Generationen von Drosophila-Fliegen unter Bestrahlung unzählige letale, also nicht überlebensfähige Mutanten, aber nicht eine einzige neue Art. In der freien Natur dagegen entstehen neue Arten sehr schnell, in isolierten Populationen oft über's Jahr, und letale Mutanten sind erstaunlich selten. Zu dieser Frage bietet die Quantenphysik interessante und weiterführende Vorstellungen, die bislang in dieser sehr ideologisch gefärbten Diskussion leider kaum eine Rolle spielen. Kritik
Zur Unterstützung dieses Gedankens zeigt die Quantenphysik mit mathematischer und experimenteller Präzision, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Mutation zufällig auftritt, vom Umfeld, genauer: von der sich im Moment replizierenden DNS, abhängt. D.h.: Rein zufällige Mutationen sind nicht chaotisch, sondern sie sind Schritte einer fortlaufenden Entwicklung, sie orientieren sich in ihrer Wahrscheinlichkeit immer an der aktuellen Situation. Da nun durch diese Art der Wahrscheinlichkeitsorientierung der Mensch und sein Geist entstanden ist, müssen wir folgerichtig annehmen, dass diese Entwicklung zum Prinzip der Wahrscheinlichkeitsorientierung gehört. Es ist also logisch anzunehmen, dass diese Entwicklung von vornherein in der grundsätzlichen Logik des quantenphysikalischen kosmischen Geschehens enthalten ist. Demnach sind wir nicht "das Ergebniss fortgesetzter Irrtümer von DNS-Replikationen", wie dies die materialistischen Evolutionsbiologen sehen, sondern das wahrscheinlichste und dadurch begünstigte Resultat seit dem Beginn der biologischen Replikationsprozesse. Hierüber mehr in "Quantenphysik". Kritik
Ein weiterer tragikomischer Aspekt des wissenschaftlichen Materialismus ist, dass sein ganzer Stolz, nämlich Logik, Schönheit, Klarheit und Vernünftigkeit der Wissenschaft, dass dies alles geistige Elemente sind, nicht empirisch ermittelbar, nicht auf Hormone reduzierbar, sondern von unserem Geist in die Naturprozesse hinein projiziert und gestaltet. Wenn wir behaupten (denn dafür gibt es keine Experimente, nur den Glauben an die scheinbare Wahrheit des Materialismus), die Autorität des Geistigen basiere auf Dopamin und Serotonin, dann zerstören wir alles Schöne, Sinnhafte und Bedeutsame, also alles das, von dem Dawkins behauptet, wir hätten es nur deshalb entwickelt, weil uns die Banalität und Kälte des Materiellen dazu trieb. Auch wenn das so wäre, wäre es umso wichtiger, diese Fähigkeit nicht durch Reduktionismus klein zu reden. Was würde denn bleiben? Credo in Materialismus quia absurdum? Oder Schlucken von Psychopharmaka? Es gibt bei vielen Menschen ein tiefes und sicheres (geistiges!) Gefühl, oft verbunden mit entsprechenden Erfahrungen, dass der Materialismus nur die halbe Welt, das halbe Leben erklären kann, das Materielle zwar, aber weder Schöpfung noch Leben oder gar Geist. Im Gegenteil: Wie wir gesehen haben, gibt erst der Geist der Materie ihre Schönheit und ihre Großartigkeit. „Die Erfahrung“, schrieb Friedrich Schiller bereits vor gut 200 Jahren, „beweist die Freiheit. Wie kann die Theorie sie verwerfen?“ Es war und ist immer der Geist, der die Materie erklärt. Die Umkehrung erscheint absurd: dass der Geist sich nun selbst erkläre durch die Gesetze und Prinzipien, die er in die Materie projiziert. Geist/Bewusstsein auf blindes materielles Wirken zurückführen zu wollen erscheint in seiner Konsequenz als die Vergewaltigung einer als sinnhaft und lebendig erlebten, empfundenen und erhofften dual-ganzheitlichen Realität durch tote Materie und rein theoretische Gedanken. Dass der wissenschaftliche Materialismus mit vielen geistigen Phänomenen unvereinbar ist zeigen die Kapitel "Ganzfeldforschung" und "Offenbarungen", und dass er sogar nicht einmal dem Stand der Wissenschaft selbst entspricht zeigt das Kapitel "Quantenphysik". Problematisch ist allein die erste Forderung, denn sie ist 1. falsch aus Sicht der Quantenphysik (s. dort), 2. selbst ohne tragfähige Beweise (s. "Hirnforschung"), 3. unhaltbar hinsichtlich parapsychologischer Phänomene (s. "Ganzfeldforschung" und "Offenbarungen"), und damit 4. selbst eine neue Art gläubiger Welt-Anschauung, ein neuer Mythos. Ist es nicht merkwürdig, dass S-S, Dawkins und die Brights nicht erkennen, dass das schon in den Genen erkennbare Lebensprinzip nicht aufs Materielle reduziert werden kann, dass also Überleben wollen ein rein geistiges Prinzip ist? Chemie und Physik kennen dieses Prinzip nicht, und wollte man zu seiner Begründung den Energieerhaltungssatz anführen, dann wäre nichts gewonnen, denn auch der ist ein rein geistiges Prinzip (s. "Quantenphysik"). Trotzdem bewundert S-S über viele Seiten die Wirksamkeit dieses Prinzips! S-S möchte zeigen, dass Körper und Geist von den Genen gesteuert werden, und er erkennt nicht, das "Geist" bereits die Gene steuert. Übrigens ist das Prinzip der Gene allenfalls die Replikation, d.h. Zellteilung und Sexualität, also die Erzeugung von Nachwuchs. Das individuelle Überlebenwollen ist ein komplexes Motiv höher entwickelter Tiere und Menschen, ein Stabilitätsprinzip selbstregulativer Systeme, es dürfte mit den Genen nicht viel zu tun haben. Somit hängen die Imperative auf Grund der inneren Widersprüche des Materialismus gewissermaßen in der Luft und bedürfen mühsamer Überzeugungsarbeit. S-S braucht ein ganzes Buch dafür. Die humanistischen Imperative bleiben aber die selben, wenn man sie auf die Erkenntnisse der Quantenmetaphysik, auf Jesus oder einfach nur auf den gesunden Menschenverstand gründet. Sie erhalten dadurch eine insgesamt überzeugendere ganzheitliche Basis, die den Empfindungen der für solche Ideale empfänglichen Menschen wesentlich besser entsprechen dürfte als die zitierten materialistischen Behauptungen und neuen Materie-Mythen. Im übrigen könnte man ja auch einmal von Liebe sprechen, von der uns Menschen möglichen Liebe zu allem und jedem, von der universellen Liebe. Diese Liebe ist mehr als ein intellektueller "Selektionsvorteil kooperativen Verhaltens" und zugleich wirkungsvoller, denn Liebe braucht keine moralischen Imperative. Diese universelle Liebe kennen die nach meiner Erfahrung arroganten Skeptiker und hochmütig-besserwisserischen Materialisten und Monisten nicht. Der Grund dafür mag sein, dass sie eher in unserer Seele denn in biologischen Mechanismen angesiedelt ist.
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